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Erster Abschnitt.
prozesses, dem Warenmarkt. Seine Ware, 20 Ellen Leinwand, ist
preisbestimmt. Ihr Preis ist 2 Pfd. Sterl. Er tauscht sie aus gegen
2 Pfd. Sterl. und, Mann von altem Schrot und Korn, tauscht die
2 Pfd. Sterl. wieder aus gegen eine Familienbibel vom selben Preis.
Die- Leinwand, für ihn nur Ware, Weriträger, wird entäußert gegen
Gold, ihre Wertgestalt, und aus dieser Gestalt rückveräußert gegen
eine andere Ware, die Bibel, die aber als Gebrauchsgegenstand ins
Weberhaus wandern und dort Erbauungsbedürfnisse befriedigen
soll. Der Austauschprozeß der Ware vollzieht sich also in zwei
entgegengesetzten und einander ergänzenden Metamorphosen {[Ver-
wandlungen] — Verwandlung der Ware in Geld und ihre Rück-
verwandlung aus Geld in Ware.® Die Momente der Waren
metamorphose sind zugleich Handlungen des Warenbesitzers — Ver-
kauf, Austausch der Ware mit Geld; Kauf, Austausch des Geldes mit
Ware, und Einheit beider Akte: Verkaufen, um zu kaufen.
Besieht sich der Leinweber nun das Endresultat des Handels,
so besitzt er Bibel statt Leinwand, statt seiner ursprünglichen Ware
eine andere vom selben Werte, aber verschiedener Nützlichkeit. In
gleicher Weise eignet er sich seine andern Lebens- und Produktions
mittel an. Von seinem Standpunkt vermittelt der ganze Prozeß
nur den Austausch seines Arbeitsproduktes mit fremdem Arbeits-
produkt, den Produktenaustausch.
Der Austauschprozeß der Ware vollzieht sich also in folgendem
Formwechsel:
Ware — Geld — Ware,
W-— GG -— WW.
Nach ihrem stofflichen Inhalt ist die Bewegung W—W, Aus
tausch von Ware gegen Ware, Stoffwechsel der gesellschaftlichen
Arbeit, in dessen Resultat der Prozeß selbst erlischt.
W-—G. Erste Metamorphose der Ware oder Verkauf. Das
VUeberspringen des Warenwertes aus dem Warenleib in den Geld-
jeib ist, wie ich es anderswo bezeichnet, der Salto mortale [der
Sprung auf Tod und Leben] der Ware. Mißlingt er, so ist. zwar
nicht die Ware geprellt, wohl aber der Warenbesitzer. Die gesell
schaftliche Teilung der Arbeit macht seine Arbeit ebenso eir
seitig als seine Bedürfnisse vielseitig. Eben deswegen dient
ihm sein Produkt nur als Tauschwert, Allgemeine gesellschaft
lich gültige Aequivalentform erhält es aber nur im Geld, und
das Geld befindet sich in fremder Tasche. Um es herauszt“
ziehen, muß die Ware vor allem Gebrauchswert für den Geld
besitzer sein, die auf sie verausgabte Arbeit also in gesellschaftlich
%5 „Nach Heraklit entsteht alles durch Umwandlung aus ... dem Feu&!
und das Feuer aus allem, so wie sich das Gold in Waren und die Ware?
wieder in Gold verwandeln.“ (F. Lassalle: „Die Philosophie Herakleitos de®
Dunkeln. Berlin 1858“, Bd. I, S. 222.) Lassalles Note zu dieser Stelle:
S. 224, N. 8, erklärt das Geld unrichtig für bloßes Wertzeichen.