Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

Viertes Kapitel, 
befriedigen. Zur Produktionszeit kommt die für den Verkauf nötige 
Zeit hinzu. 
Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer 
also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in 
dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft 
Als seine Ware verfügt, daß er anderseits andere Waren nicht zu 
’Srkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung 
Seiner Arbeitskraft nötigen Sachen. . 
Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm in der Zirkulations- 
Dhäre gegenübertritt, interessiert den Geldbesitzer nicht, der den 
Arbeitsmarkt als eine besondere Abteilung des Warenmarktes vor- 
Iüdet. Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Wir 
dalten theoretisch an der Tatsache fest, wie der Geldbesitzer 
Praktisch. Eines jedoch ist klar. Die Natur produziert nicht auf 
der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andern bloße 
Besitzer der eigenen Arbeitskräfte. Dieses Verhältnis ist kein 
laturgeschichtliches und ebensowenig ein gesellschafiliches, das 
allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das 
Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das Pro- 
Jukt vieler ökonomischen Umwälzungen, des Unterganges einer 
Sahzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion. 
Auch die ökonomischen Kategorien, die wir früher betrachtet, 
Tagen ihre geschichtliche Spur. Bestimmte historische Bedingungen 
Nüssen erfüllt sein, soll das Produkt Ware werden. Solange es zum 
Beispiel produziert wird, um unmittelbar die Bedürfnisse des Pro- 
Auzenten zu befriedigen, wird es nicht zur Ware. Hätten wir weiter 
Seforscht: Unter welchen Umständen nehmen alle oder nimmt auch 
dur die Mehrzahl der Produkte die Form der Ware an, so hätte sich 
Sefunden, daß dies nur auf Grundlage einer ganz besonderen, der 
“apitalistischen Produktionsweise geschieht. Eine solche Unter- 
chung lag jedoch der Analyse der Ware fern. Warenproduktion 
ind Warenzirkulation können stattfinden, obgleich die weit über- 
Ylegende Produktenmasse, unmittelbar auf den Selbstbedarf ge- 
‚htet, sich nicht in Ware verwandelt, der gesellschaftliche Pro- 
Tktionsprozeß also noch lange nicht in seiner ganzen Breite und 
fe vom Tauschwert beherrscht ist. * Die Darstellung des Produkts 
we Ware bedingt eine so weit entwickelte Teilung der Arbeit inner- 
Alb der Gesellschaft, daß die Scheidung zwischen Gebrauchswert 
ind Tauschwert, die im unmittelbaren Tauschhandel erst beginnt, 
DCreits vollzogen ist. Eine solche Entwicklungsstufe ist aber den 
SSSchichtlich verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformatio- 
1D gemein. 
1 Öder betrachten wir das Geld, so setzt es eine gewisse Höhe 
N Warenaustausches voraus. Die besonderen Geldformen, bloßes 
Schar" äquivalent, oder Zirkulationsmittel, oder Zahlungsmittel, 
an dr und Weltgeld, deuten, je nach dem verschiedenen Umfang 
dem relativen Vorwiegen einer oder der andern Funktion, auf 
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