Contents: Neueste Zeit (Abt. 3)

Drittes Kapitel. 
Lquidation der alten Jormen des wirtschaftlichen 
und sozialen Lebens; Reginn innerer 
Neubildungen. 
Freiheit und Gleichheit sind in mehr als einer Hinficht 
die Ideale des Wirtschafts-, Gesellschafts- und Staatslebens 
des Subjektivismus: rechnet man ins Rohe und Ganze, so 
mag man in dem Zwillingswort wohl all das Neue zusammen⸗ 
gefaßt sehen, das sich in der politischen Welt Europas seit 
Ausgang des 18. Jahrhunderts Bahn brach. 
Aber Freiheit und Gleichheit sind nicht Grundsätze, die 
im 18. Jahrhundert eines schönen Tages intuitiv erkannt 
oder vom Himmel gefallen wären: ihr Ideal ist eine organisch 
gesicherte Kulturerrungenschaft von mehr als tausendjähriger 
Entwicklung. Denn sie sind nur Wirkungen eines mit den 
Jahrhunderten immer mehr gesteigerten Maßstabes der Lebens⸗ 
fähigkeit und des sittlichen Lebensgenusses: je mehr von der 
Einzelperson gefordert wird, um so mehr muß ihr die Frei— 
heit gegeben werden, die zur Erfüllung erhöhter individueller 
Forderungen unerläßlich ist: bis zu der Entwicklungshöhe hin, 
in der von dem Freiheitsbedürfnisse eines jeden das Ideal der 
Gleichheit aller aufgestellt wird. 
Auf dem Wege zu dieser Höhe hat nun die Zeit der 
Reformation und der Renaissance eine der wichtigsten Etappen 
gebildet: damals zum ersten Male wurde die Aufgabe der 
Selbstbehauptung des Einzelnen in Stellung, Beruf und Ge—
	        
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