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Buch 3. Kap. 1. Preis.
weit höher hinaufgehen, als bei einem armen Volke, dessen
Zahlungsfähigkeit ungleich früher erschöpft ist.
Steigen endlich z. B. die bei der landwirthschastlichen Pro
duction aufzuwendenden Kosten, so müssen sich ebenfalls, insofern
alle übrigen Verhältnisse unverändert bleiben, die Preise der
landwirthschastlichen Producto erhöhen. Es genügt jedoch dem
Landwirthe gewöhnlich, wenigstens dem minder scharf rechnenden,
wenn er durch den reis des Getreides, der Wolle, des Schlacht
viehes, der Milch rc. zusammengenommen seine im Ganzen
aufgewendeten Productionskvsten vergütet erhält. Es ist deshalb
zeitweise wohl möglich, daß der Preis mancher Viehproducte rc.
deren anteilige Prodnctionskosten nicht vollständig deckt, falls
nur gleichzeitig die Preise des Getreides, der Oelfrüchtc rc. so
hoch stehen, daß dadurch der bei der Viehhaltung eintretende
Verlust noch mit übertragen wird. Füllt dagegen z. V. der
Preis der Wolle, so muß bei Gleichbleiben aller übrigen Um
stände derjenige des Schaffleischcs steigen, falls dessen Fort-
production in demselben Umfange und in der nämlichen Weise
thnnlich sein soll, indem alsdann ein größerer Antheil der bei
der Schafhaltung erwachsenden Prodnctionskosten durch den Preis
des Fleisches zu decken ist. Auch suchen die Producenten, je
genauer sie die antheiligen Kosten jedes einzelnen Products zu
berechnen anfangen, solche Productioncn möglichst einzuschränken,
welche weniger ergiebig und dabei überhaupt vermeidbar sind.
Vermindern sich die Prodnctionskosten und sinken in Folge
hiervon die Preise, so ist dies in der Regel für die Producenten
des betreffenden Gutes und dessen Verbraucher gleich vortheilhaft.
Diese können ihren Gütcrgcnuß ausdehnen und jene sehen ihren
Absaß erweitert. Abgemindert aber werden die Productionskosten
entweder durch Fortschritte in dein Prodnctionsverfahrcn oder
durch Billigerwerdcn eines Productionsmittels. Ersteren Falls
gewinnt zunächst lediglich der einzelne Producent, welcher vorthcil-
hafter als seine Coneurrenten producirt, während die Preis-
erniedrigung erst eintritt, nachdem späterhin das bessere Verfahren
allgemein geworden ist. Letzteren Falls hingegen erfolgt das
Zurückgehen des Preises schneller, weil die Verbilligung eines
Hanptstoffes, z. B. der Baumwolle, oder eines Hilfsstoffes, z. V.
der Kohlen re., allen Producenten alsbald ebenmäßiger zugntc-
kommt. Häufig freilich verwirklicht sich, zumal bei unentbehrlichen
Gütern, jede Preiserniedrigung überhaupt verhältnißmäßig lang-