Wiederherstellung des nationalen Königtums. 35
auf diplomatischem Wege zu sichern. Es kam zu einem Frieden
zu Wien, am 21. November 1276, und in ihm wurde öster—
reich mit seinem Zubehör Otokar abgesprochen; für Böhmen
und Mähren aber mußte er demütigen Fußfalls die Belehnung
durch Rudolf nachsuchen.
Sollte durch so außerordentliche Ereignisse die böhmische
Großmacht endgültig zersprengt sein? Otokar sah den Wiener
Frieden nur als ein Zwischenspiel an; ihn je eher je lieber
aufzuheben, war sein innigster Wunsch. Rudolf dagegen mußte
alles darauf ankommen, vor der unvermeidlichen letzten Ab⸗
rechnung diejenige Zeit zu gewinnen, die ihm gestattete, sich in
dem eroberten Besitz zu befestigen. Unter dieser Lage der Dinge
kam es zu wiederholten Abmachungen zwischen den beiden
Gegnern, die Rudolf trotz seiner ungünstigen Lage jedesmal zu
seinem Vorteil zu führen wußte; ein Moment, das Otokar
noch stärker erbitterte. Und auch sonst sorgte der kluge Habs—
burger für die kommenden schlimmen Tage; in einer per—
sönlichen Zusammenkunft mit dem Ungarnkönig Ladislaus zu
Hainburg schloß er mit diesem ein Schutz⸗- und Trutzbündnis
gegen Böhmen.
Otokar freilich war in der Vorbereitung eines neuen
Krieges nicht minder eifrig und geschickt. Bisher den Deut—
schen in seinem Lande wohlwollend gesinnt, gab er sich nunmehr
gzanz einer slawischen Strömung hin, die von den Kreisen des
altcechischen Adels her drohend erstand; von ihr beeinflußt,
rief er die Polen auf zum Kampfe gegen Rudolf. Zugleich
wußte er die Herzöge von Glogau, Oppeln und Breslau, die
meißnischen und thüringischen Fürsten, sowie die Kurfürsten
Johann und Otto von Brandenburg an sich zu fesseln, gewann
im Südwesten den unzuverlässigen Herzog Heinrich von Nieder—
bayern und knüpfte auch in sterreich selbst Verbindungen an,
vor allem mit den Bürgern von Wien, deren Mißmut König
Rudolf durch Auflage schwerer Steuern erregt hatte.
So gerüstet zog Otokar im Juni 1278 gegen Rudolf
aus. Es war ein Krieg vor allem des Deutschland benach—
barten Slawentums gegen Rudolf und seine ungarischen Ver—
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