Object: Amerikas internationale Kapitalwanderungen

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tionenzinsen nicht mehr zahlte, und das Publikum bei dieser 
Gelegenheit von der Finanzpresse darauf aufmerksam ge- 
macht wurde, daß von den im Ausland abgesetzten ameri- 
kanischen bonds 65 %, von den in der Union selbst unter- 
gebrachten nur 14 % ohne Zinsertrag waren. Später tat 
dann die Verschlechterung der nordamerikanischen Wäh- 
rungsverhältnisse (Erklärung des Standard Silberdollars 
zum unbeschränkt gesetzlichen Zahlungsmittel, herbeige- 
führt durch die Bland Allison Bill vom 15. Februar 1878) 
ihre Wirkung. 
Erheblich besser gestaltete sich die allgemeine Börsen- 
lage, als die vorzüglichen Ernten der Jahre 1878, 1879, 
1820 den Eisenbahnen so große Erträge brachten, daß auch 
die vor der Krisis auf ungesunder Basis gegründeten Ge- 
sellschaften imstande waren, sich zu konsolidieren und die 
Zinszahlung ihrer Obligationen aufzunehmen, Die glänzen- 
den Ernteergebnisse des Jahrfünfts 1876—1881, denen 
schlechte oder mäßige in Europa gegenüber standen, ließen 
den Überschuß der Ausfuhr über die Einfuhr zu einer solchen 
Höhe wachsen, daß die vom 1. Januar 1879 ab eintretende 
Einlösung sämtlicher von der Regierung ausgegebener Bank- 
noten in Gold zu Pari ebensowenig Schwierigkeiten machte 
wie der allmähliche Rückkauf, bzw. die 1880 vorgenommene 
Konvertierung der in Europa untergebrachten sechsprozen- 
tigen Anleihen der Union in vierundeinhalbprozentige. Beide 
Maßnahmen stärkten das Vertrauen in die wirtschaftliche 
Zukunft der Vereinigten Staaten so, daß die durch den 
Rückkauf frei gewordenen englischen, deutschen und hol- 
ländischen Kapitalien dort blieben und in sieben- oder acht- 
prozentigen bonds amerikanischer Eisenbahnen angelegt 
wurden, z. B. denen der Chicago und Northwestern-, Chi- 
sago, Milwaukee und St. Paul-, Illinois Central-, , Great- 
Northern-, Norfolk und Western-, Central Pacific-, Union 
Pacific-, sowie der Missouri, Kansas- und Texas-Eisen- 
bahnen). Da ihr Emissionskurs in der Regel nur 75 bis 
35 betrug, gewährten sie eine zehnprozentige Verzinsung‘ 
First mortgage gold bonds freilich brachten wegen ihrer 
absoluten Sicherheit nur 6 %, bei erstklassigen Gesellschaf- 
ten wie der Pennsylvania-Eisenbahn sogar nur 4'/; %, Auch 
deutsche Kapitalisten fingen damals wieder an, amerika- 
nische bonds zu kaufen, hauptsächlich weil Deutschland 
infolge der industriellen Stagnation nach der Krisis 1873 
nur wenig hochverzinsliche Werte aufwies. Eine offizielle 
1) Charles F. Speare, Selling American bonds in Europe. Annals of 
Ks Amen l6 Academy of Political and Social Science. Bd. 30, Nr. 2.
	        
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