Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

56 
Siebter Abschnitt 
Oder, und das ist die andere Seite der Alternative, die Akkı 
mulation erschlafit infolge des steigenden Arbeitspreises, weil de! 
Stachel des Gewinnes abstumpft. Die Akkumulation nimmt ab. Abe! 
mit ihrer Abnahme verschwindet die Ursache ihrer Abnahme, näm 
lich das Mißverhältnis zwischen Kapital und ausbeutbarer Arbeits 
kraft, das Uebermaß von Kapital gegenüber dem Angebot von Ar 
beitskraft. Der Mechanismus des kapitalistischen Produktions 
prozesses beseitigt also selbst die Hindernisse, die er vorübergehen‘ 
schafft. Der Arbeitspreis fällt wieder auf ein den Verwertung® 
bedürfnissen des Kapitals entsprechendes Niveau, ob dieses nuß 
unter, über oder gleich mit dem Niveau, welches vor Eintritt de® 
Lohnzuwachses als normal galt. 
Man sieht: Im ersten Fall ist es nicht die Abnahme im absolute? 
oder proportionellen Wachstum der Arbeitskraft oder Arbeiter 
bevölkerung, welche das Kapital überschüssig, sondern umgekehr 
die Zunahme des Kapitals, welche die ausbeutbare Arbeitskraft ur 
zureichend macht. Im zweiten Fall ist es nicht die Zunahme iP 
absoluten oder proportionellen Wachstum der Arbeitskraft oder de! 
Arbeiterbevölkerung, welche das Kapital unzureichend, sondern ur” 
gekehrt die Abnahme des Kapitals, welche die ausbeutbare Arbeit® 
kraft überschüssig macht und ihren Preis herabdrückt. Es sind die“ 
absoluten Bewegungen in der Akkumulation des Kapitals, welch‘ 
sich als relative Bewegungen in der Masse der ausbeutbaren Arbeit 
kraft widerspiegeln und daher der eigenen Bewegung der letzteren g* 
schuldet scheinen. Um einen mathematischen Ausdruck anzuwende®‘ 
die Größe der Akkumulation ist die unabhängige Variable, die Lohl" 
größe die abhängige, nicht umgekehrt. So drückt sich in der Krise» 
phase des industriellen Zyklus der allgemeine Fall der Warenprei® 
als Steigen des relativen Geldwertes, und in der Prosperitätspha®® 
das allgemeine Steigen der Warenpreise als Fall des relativen Geld 
wertes aus. Die sogenannte Currencyschule schließt daraus, daß be 
hohen Preisen zu viel, bei niedrigen zu wenig Geld zirkuliert. Ihr 
ignoranz und völlige Verkennung der Tatsachen” finden würdig® 
Parallele in den Oekonomen, welche jene Phänomene der Akkun® 
lation dahin deuten, daß das eine Mal zu wenig und das andere M 
zu viel Lohnarbeiter existieren. 
Das Gesetz der kapitalistischen Produktion, das dem angeblich“ 
„natürlichen Bevölkerungsgesetz“ zugrunde liegt, kommt einfaC 
auf dies heraus: Das Verhältnis zwischen Kapital, Akkumulatio? 
und Lohnrate ist nichts als das Verhältnis zwischen der unbezahlteP 
in Kapital verwandelten Arbeit und der zur Bewegung des Zusal” 
kapitals erforderlichen zuschüssigen Arbeit. Es ist also keinesw% 
ein Verhältnis zweier voneinander unabhängigen Größen, einers®, 
der Größe des Kapitals, anderseits der Zahl der Arbeiterbevölkerw® 
es ist vielmehr in letzter Instanz nur das Verhältnis zwischen g 
77 Vgl. Karl Marx: „Zur Kritik der Politischen Oekonomie“, S. 166 * 
[Ausgabe Stuttgart S. 196 ff.]
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.