Object: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

20 
Einige Jahre später begann auch der Spargelanlagenbesitzer 
A. W. Querner einen Teil seiner Ernte zu konservieren. Zu Beginn 
der siebziger Jahre entstanden zwei weitere Unternehmungen für 
Spargelkonservierung. 
Bald begann man auch in diesen Betrieben nach der Spargel 
ernte das Einmachen von Erbsen, Bohnen und anderer Gemüse in 
derselben Weise. 
Von einer Fabrikation im Großen war damals freilich noch keine 
Rede. Allerdings war die Zeit vorbei, in der die Fabrikation aus 
schließlich Nebenbetrieb der Klempnerei war. In den sechziger Jahren 
hatte man für die Konservierung eigene Küchen eingerichtet, wenn 
auch in einfachster Weise. Die ganze Einrichtung bestand aus einem 
Herd mit Öffnungen für große und kleine Kessel, die jeder eine einzelne 
Feuerung hatten. Die kleinen Kessel dienten zum Vorkochen der 
gereinigten und hergerichteten Gemüse, während in den größeren die 
gefüllten und mittelst Verlötung geschlossenen Dosen auf ihre Dichtig 
keit geprüft und dann nachgekocht wurden. Auf diese Weise stellten 
die ältesten Betriebe jährlich einige tausend Dosen her. Dabei wurden 
höchstens zwei bis drei männliche Arbeiter für das Kochen und die 
Ausführung der Klempnerarbeiten, für die Herstellung der Blech 
dosen, sowie für die Verlötung der gefüllten Dosen benötigt, während 
etwa acht bis zehn Frauen das Reinigen und Herrichten der Roh 
ware besorgten. 
Ein bemerkenswerter Umschwung in der Industrie trat im 
Jahre 1873 ein. Die Firma Gebr. Grahe baute in diesem Jahre das 
erste größere Etablissement und bezog gleichzeitig aus Paris einen 
sogenannten Autoklav, den ersten, der in Braunschweig aufgestellt 
wurde. Der Autoklav, den übrigens bereits im Jahre 1874 auch 
Braunschweiger Fabriken nach verbessertem System zu bauen be 
gannen, ist ein geschlossener eiserner Kessel, in dem eine — durch 
Manometer angezeigte — Temperatur von über 100 0 erzielt werden 
kann. Infolge des erhöhten Druckes werden die Gährungsbakterien 
weit sicherer und schneller getötet, so daß man die Dosen im Auto 
klav bei weitem nicht so lange kochen zu lassen nötig hat, als im 
offenen Kessel. Welche Temperatur man beim Autoklav anwendet 
— im allgemeinen geht man nicht unter 108 0 und nicht über i2i°C 
— und wie lange man die Dosen kochen läßt, ist Sache der Er 
fahrung. Bereits 1875 vergrößerten Gebr. Grahe ihr Etablissement 
und legten Dampfanlagen an. Um dieselbe Zeit begann die Maschinen 
fabrik R. Karges mit der Herstellung von Maschinen für Konserven 
fabriken und richtete nach und nach die meisten bedeutenderen alten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.