Erster Abschnitt.
3. Die Wertform oder der Tauschwert.
Waren kommen zur Welt in der Form von Gebrauchswerten oder
Warenkörpern, als Eisen, Leinwand, Weizen usw. Es ist dies ihre
hausbackene Naturalform. Sie sind jedoch nur Waren, weil Doppel-
tes, Gebrauchsgegenstände und zugleich Wertiräger. Sie erscheinen
daher nur als Waren oder besitzen nur die Form von Waren, sofern
sie Doppelform besitzen, Naturalform und Wertform.
Die Wertgegenständlichkeit der Waren unterscheidet sich da-
durch von der Wittib Hurtig, der Freundin Falstaffs, daß man nicht
weiß, wo sie zu haben ist. Im geraden Gegenteil zur sinnlich groben
Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in
ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne
Ware drehen und wenden wie man will, sie bleibt unfaßbar als
Wertding. Erinnern wir uns jedoch, daß die Waren nur Wertgegen-
ständlichkeit besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaft-
lichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, daß ihre Werigegenständ-
geschätzt und verglichen werden kann“, sagt A. Smith: „Gleiche Quantitäten
Arbeit müssen zu allen Zeiten und an allen Orten für den Arbeiter selbst
denselben Wert haben. In seinem normalen Zustand von Gesundheit, Krafli
und Tätigkeit, und mit dem Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit, die er
besitzen mag, muß er immer das gleiche Ausmaß seiner Ruhe, seiner Frei-
heit und seines Glückes hingeben.‘“ („Wealth of Nations“, b. I, ch. 5. [Vgl
Adam Smith: „Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Volks-
wohlstandes.‘“ ‘Aus dem Englischen übertragen von F, Stöpel. 2, Auflage.
Berlin 1905. Bd. I, S. 45.] Einerseits verwechselt A. Smith hier (nicht überall)
die Bestimmung des Wertes durch das in der Produktion der Ware veraus-
gabte Arbeitsquantum mit der Bestimmung der Warenwerte durch den Wert
der Arbeit und sucht daher nachzuweisen, daß gleiche Quantitäten Arbeit
stets denselben Wert haben. Anderseits ahnt er, daß die Arbeit, soweit sie
sich im Wert der Waren darstellt, nur als Verausgabung von Arbeitskrafi
gilt, faßt diese Verausgabung aber wieder bloß als Opfer von Ruhe, Frei-
heit und Glück, nicht auch als normale Lebensbetätigung, Allerdings hal
er den modernen Lohnarbeiter vor Augen. — Viel treffender sagt der Note 9
zitierte anonyme Vorgänger von A. Smith: „Jemand hat eine Woche darauf
verwendet, einen Gebrauchsgegenstand herzustellen. . . Wer ihm nun einen
andern in Tausch gibt, kann nach keinem besseren Maßstab abschätzen, was
wirklich gleichwertig ist, als indem er berechnet, welcher Gegenstand ihn
ebensoviel Arbeit (labour) und Zeit kostet. Das kommt in der Tat darauf
hinaus, daß die Arbeit, die der eine Mann während einer bestimmten Zeit
in sein Produkt gesteckt hat, ausgetauscht wird gegen die Arbeit, die der
andere während der gleichen Zeit auf einen andern Gegenstand verwendet
hat.“ („Some Thoughis on the Interest of money in general etc.“, p. 39.)
[Engels bemerkt hierzu in einer Fußnote zur englischen Uebersetzung des
„Kapital“, Bd. I, S. 14: „Die englische Sprache hat den Vorzug, zwei ver-
schiedene Bezeichnungen für diese zwei verschiedenen Seiten der Arbeit zu
haben. Die Arbeit, die Gebrauchswerte schafft und qualitativ bestimmt ist,
heißt Work, im Gegensatz zu Labour; die Arbeit, die Wert schafft und nur
quantitativ gemessen wird, heißt Labour, im Gegensatz zu Work.“
Man vergleiche dazu die Note 4, S. 4, über den Geist der englischen
Sprache. K.]