Siebter Abschnitt.
schlaf] nennt, an der Tagesordnung. Die Schwängerung dreizehn-
und vierzehnjähriger Mädchen durch ihre männlichen Altersgenossen
ist häufig. Die offenen Dörfer, welche das Kontingent des Gangs
stellen, werden Sodoms und Gomorrhas!** und liefern doppelt soviel
uneheliche Geburten als der Rest des Königreichs. Was in dieser
Schule gezüchtete Mädchen als verheiratete Frauen in der Moralität
leisten, ward schon früher angedeutet. Ihre Kinder, soweit Opium
ihnen nicht den Garaus macht, sind geborene Rekruten des Gangs.
Der Gang in seiner eben beschriebenen klassischen Form heißl
öffentlicher, gemeiner oder Wandergang (public, common or tramp-
ing gang). Es gibt nämlich auch Privatgangs (private gangs). Sie
sind zusammengesetzt wie der Gemeingang, zählen aber wenigel
Köpfe und arbeiten, statt unter dem Gangmeister, unter einem alten
Bauernknecht, den der Pächter nicht besser zu verwenden weiß. Der
Zigeunerhumor verschwindet hier, aber nach allen Zeugenaussagen
verschlechtern sich Zahlung und Behandlung der Kinder.
Das Gangsystem, das sich seit den letzten Jahren - beständig
ausdehnt,!7® existiert offenbar nicht dem Gangmeister zuliebe. ES
existiert zur Bereicherung der großen Pächter!® respektive Grund-
herren.” Für den Pächter gibt’s keine sinnreichere Methode, sein
Arbeiterpersonal tief unter dem normalen Niveau zu halten und
dennoch für alles Extrawerk stets die Extrahand bereit zu haben;
mit möglichst wenig Geld möglichst viel Arbeit herauszuschlagen?”
und den erwachsenen männlichen Arbeiter „überzählig“ zu machen
Nach der früheren Auseinandersetzung versteht man, wenn einer
seits die größere oder geringere Beschäftigungslosigkeit des Land
mannes zugestanden, anderseits zugleich das Gangsystem wegeb
Mangels an männlicher Arbeit und ihrer Wanderung nach den
174 „Die Hälfte der Mädchen von Ludford ist ruiniert worden durch de”
Gang.“ (Ebenda, Appendix, S. 6, N. 82.)
75 „Das System hat sehr zugenommen in den letzten Jahren. In einige
Plätzen ist es erst seit kurzem eingeführt, in andern, wo es älter, werde!
mehr und jüngere Kinder in dem Gang beschäftigt.“ (Ebenda, S, 79, N. 174)
176 „Kleine Pächter wenden die Gangarbeit nicht an.“ „Sie wird nich!
angewandt auf armem Land, sondern auf Land, das 2 Pfd. Sterl. bis 2 Pfd
Sterl. 10 Shilling Rente pro Acre bringt.“ (Ebenda, S. 17, 14.)
ı77 Einem dieser Herren schmecken seine Renten so gut, daß er de!
Untersuchungskommission entrüstet erklärt, der ganze Schrei sei nur de”
Namen des Systems geschuldet. Wenn man es statt „Gang“ dahingege?
„Jugendliche industriell - agrikol - kooperative Selbsterhaltungsassoziatio»
laufe, so wäre alles in Ordnung.
178 „Gangarbeit ist wohlfeiler als andere Arbeit, das ist die Ursache:
warum sie angewandt wird“, sagt ein ehemaliger Gangmeister. (Ebend?:
5. 17, N. 14.) „Das Gangsystem ist entschieden das wohlfeilste für de”
Pächter und ebenso entschieden das verderblichste für die Kinder“, sagt ei
Pächter. (Ebenda, S, 16, N. 3.)