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Register.
Man könnte sagen, daß Engels’ Einwendung jetzt noch mehr stichhaltig
sei, als vor dreißig Jahren, und daß es besser wäre, ein Gesamtregister für
alle Bände des „Kapilal“ anzufertigen. Bilden sie doch ein Ganzes, das
schwer in einzelne Stücke zu trennen ist.
Und doch liegt es auf der Hand, daß der erste Band nicht nur
historisch — zwanzig Jahre lang blieb er ein selbständiges Werk — immer
eine eigenartige Stellung behaupten wird. So notwendig die Kenntnis des
zweiten und des dritten Bandes des „Kapital“ ist, um den Gesamtprozeß
der kapitalistischen Produktionsweise zu erfassen, ist es doch leichter, den
ersien Band von den beiden andern zu trennen, als den zweiten von dem
dritten. In gewissem Grade bildet der erste Band auch für sich allein ein
abgeschlossenes Ganzes. So wünschenswert es wäre, daß die Zahl der
Arbeiter sich vermehre, die bei dem ersten Band nicht stehen bleiben, so ist
doch kaum zu erwarten, daß sich viele finden werden, die imstande sind, alle
drei Bände zu bewältigen. Dem stehen zahlreiche Hindernisse im Wege.
Der erste Band behandelt den Produktionsprozeß des Kapitals, der den
Arbeitern schon aus eigener Erfahrung näher bekannt ist als der Zirkula-
tionsprozeß oder die verschiedenen Gestaltungen des Gesamtprozesses der
kapitalistischen Produktion, Die neuen Bedingungen auch des gewerkschaft-
lichen Kampfes zwingen allerdings jetzt den Arbeiter, diesen Erscheinungen
viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen als früher, sie schärfen das Ver-
ständnis für die komplizierteren Formen der Gewinnung und Verteilung des
Mehrwertes unter die verschiedenen Klassen. Wäre es Marx vergönnt ge-
wesen, die letzte Hand auch an die weiteren Bände des „Kapital“ zu legen,
dann hätte er ebenso wie im ersten Band die durch Abstraktion aus dem
Konkreten gewonnenen Resultate durch geschickt gewählte Illustrationen so
anschaulich und lebendig gemacht, daß sie auch für den gewöhnlichen Leser,
wenn er nur die notwendige Schulung und Vorbereitung besaß, nicht
schwerer verständlich gewesen wären als die Ausführungen ‚des ersten
Bandes. Jetzt aber sind der zweite und dritte Band eigentlich nur ein
Skelett geblieben, sie sind nicht von Marx selbst in ihrer endgültigen Form
fertiggestellt, daher bilden sie auch architektonisch kein so vollkommenes
Gedankengebäude wie der erste Band, sind auch nicht aus einem Guß,
weil sie aus Teilen zusammengesetzt sind, die chronologisch auseinander-
liegen, die ganz verschiedene Grade der theoretischen Vertiefung in dieselbe
Materie darstellen.
Ganz anders der erste Band, der daher auch in literarischer Beziehung
einen ganz eigenartigen Charakter trägt. In keinem andern Buch der ge-
samten ökonomischen Literatur finden wir die gleiche unzertrennliche Ver-
bindung von Theorie und Praxis, von Abstraktion und Leben. Kein bürger-
licher Oekonom ist an die bestimmten konkreten Verhältnisse der kapitali-
stischen Gesellschaft so nahe herangetreten, wie ihr Todfeind im „Kapital“,
Und das Leben, in das Marx mit seiner scharfsinnigen Analyse hineingriff,
gehört noch lange nicht bloß der Geschichte an. Mag die eine oder die andere
Seite dieses Lebens, wie er sie vor sechzig und siebzig Jahren gepackt hat,
jetzt schon veraltet, mag die technische Seite des kapitalistischen Pro-
duktionsprozesses bedeutend vervollkommnet sein, mag sein Schwerpunkt
sich verändert und die Baumwollindustrie, die im ersten Band als führender
Zweig der Großindustrie dargestellt wird, ihren ersten Platz der schweren
Industrie abgetreten haben, mögen auch die Formen, in denen sich der
Akkumulationsprozeß vollzieht, mannigfaltiger und komplizierter geworden
sein, die gesellschaftlichen Beziehungen sind doch innerhalb dieses Pro-
duktionsprozesses dieselben geblieben. Eben deshalb pulsiert noch jetzt im