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Zweites Buch. JDie Gegner.
daß in seinen Äugen das Kapital ebensoviel Recht auf Entlohnung
hat, wie die Arbeit. In dem einen wie in dem anderen sieht er einen
sieren, die für die größte Anzahl unter ihnen die vorteilhafteste ist; sie müssen sieh
als Ziel aller ihrer Arbeiten und Anstrengungen die möglichst schnelle und durch
greifende Verbesserung der moralischen und physischen Lage der zahlreichsten
Klasse setzen“ {CBuvres, VII, S. 108—109). Schon früher hatte Saint-Simon
in dem Systeme industriel gesagt: „Der unmittelbare Zweck meines Unter
nehmens ist, soviel wie möglich das Schicksal der Klasse zu verbessern, die keine
anderen Unterhaltsmittel hat, als die Arbeit ihrer Hände“ (CBuvres, VI, S. 81).
Zunächst braucht man aber in diesen Erklärungen weiter nichts als eine Eormel des
utilitaristischen Grundsatzes Bentham’s zu sehen: größtes Glück für die größte Zahl.
Und wie beabsichtigt Saint-Simon das Glück der Arbeiter zu sichern? Indem er ihnen
Anteil an der Macht gibt? Durchaus nicht! Im Organisateur (CEuvres IV,
S. 158) sagt er: „Die Frage (der sozialen Organisation) wird für das Volk gelöst
werden; es wird aber selbst außerhalb und passiv bleiben. . . . Das Volk ist
von der Frage ausgeschlossen worden.“ Das beste Mittel, ihm Gutes zu
tun, besteht darin, „den Herren der industriellen Unternehmungen die
Aufgabe anzuvertrauen ... die öffentliche Verwaltung zu leiten“, da „sie stets un
mittelbar bestrebt sein werden, ihren Unternehmungen die größtmögliche Ausdehnung
zu geben, und aus ihren Bemühungen in dieser Hinsicht wird sich die größtmögliche
Vermehrung der Menge von Arbeiten ergeben, die von den Leuten aus- dem Volk
ausgeführt werden“ (Syst. Indust., CBuvres, VI, S. 82—83). — Auch ein liberaler
Volkswirtschaftler würde nicht anders sprechen.
Was das Eigentum anbelangt, so hat Saint-Simon sicher seine Umwandlung für
möglich gehalten. Zahlreiche Stellen seiner Bücher weisen hierauf hin. „Das Eigen
tum muß neu gebildet und auf den Grundlagen aufgebaut werden, die es für die
Produktion am günstigsten gestalten,“ sagt er im Organisateur (CEuvres, IV,
S. 59). An anderer Stelle, in einem Brief vom Jahre 1818 an .den Redakteur des
Journal general de la France, sagt er, daß er sich mit der Entwicklung
folgender Ideen befasse: „1. Das Gesetz, das das Eigentum begründet, ist von allen
das wichtigste; es allein dient als Grundlage des sozialen Gebäudes. ... 2. Das
Eigentum muß so eingerichtet sein, daß der Eigentümer dazu angespornt wird, es
so produktiv wie möglich zu gestalten (CBuvres, III, S. 43—44). Schon in den
Lettres ä un Americain faßt er die Prinzipien, die er bei J.-B. Say findet, wie
folgt zusammen (woraus hervorgeht, wie eng er sich an die liberalen Volks Wirtschaftler
anlehnt): „Die Erzeugung nützlicher Gegenstände ist der einzige, vernünftige und
positive Zweck, den die politischen Gemeinwesen sich vornehmen können, und daher
ist der Grundsatz: Achtung vor der Produktion und den Produzenten
unendlich viel fruchtbarer als der, der besagt; Achtung vor dem Eigentum
und den Eigentümern“ (CBuvres, II, S. 186—187). — Alles dieses scheint uns
aber nichts anderes auszudrüoken als den Gedanken, daß das Eigentum sich durch
seine Nützlichkeit rechtfertigt und in Hinsicht auf den sozialen Nutzen' organisiert
werden muß. Wenn er eine bestimmte Reform des Eigentums ins Auge gefaßt hat,
so war es auf jeden Fall doch nur die des Grundbesitzes. Denn wie wir weiter
oben gesehen haben, betrachtet er das Kapital als einen sozialen „Einsatz“, der ein
Anrecht auf Entlohnung gibt. Auch findet man an anderer Stelle folgende Aus
führung, die klar seine Sympathie für den beweglichen Besitz ausdrückt: „Der
Reichtum ist im allgemeinen ein Beweis der Fähigkeit der Fabrikanten, sogar
wenn sie das Vermögen, das sie besitzen, ererbt haben, während in
den anderen Klassen der Staatsbürger es stets wahrscheinlich ist, daß die Reicheren