Full text : John Pierpont Morgan, der Weltbankier

So wurde es eine reine verwaltungstechnische Maßnahme,
 den im Umlauf befindlichen Noten gegenüber
stets eine Goldreserve von 100 Millionen aufrechtzuerhalten,
 Niemand vermutete, daß die Noten beim
Schatzamt für andere Zwecke vorgelegt werden
würden, als um Gold für die Bedürfnisse der Banken
oder zur Verschiffung ins Ausland zu erhalten. Für
diese Bedürfnisse aber war, wie man annehmen
konnte, die Reserve von 100 Millionen doppelt und
dreifach ausreichend.
Aber in dem Währungsgesetz von 1878 war eine
merkwürdige Bestimmung, die im Jahre 1895 zu
der kleinen Ursache einer sehr großen Wirkung
wurde. Da der Kongreß gefürchtet hatte, durch das
Verschwinden der Noten aus dem Umlauf infolge ihrer
Einlösung in Gold könne eine Zahlungsmittelknappheit
eintreten, hatte er unter anderem die Bestimmung getroffen,
 daß .der Schatzsekretär alle vorgezeigten
Noten einlösen und wieder ausgeben sollte. Das bedeutete,
 daß man ein und dieselbe Note unbeschränkt
oft dazu benutzen konnte, beim Schatzamt ihren
Nennwert in Gold zu erhalten. Man konnte die Noten
als Bagger benutzen, um mit ihnen sämtliches Gold
aus dem Schatzamt herauszuholen. Das war ein unbeabsichtigter
 Witz in dem Gesetz, der — damals —
anscheinend niemandem aufgefallen war.
Die nächsten 10 Jahre waren keine mageren
Jahre. Im Gegenteil, sie waren Jahre der blühendsten
Geschäfte, Die ruhige, aber zielbewußte Aufnahme
der Einlösung hatte wie die Vollendung eines Staudammes
 gewirkt, der einen frischen, stetigen Fluß von
Kapital, Energie, Ideen und Glauben an die materielle
Zukunft des Landes ermöglichte. Der Goldstrom kam
besonders aus dem Ausland, Die europäischen Kapitalisten
 wollten ja während des Bürgerkrieges mit den

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