Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

ihnen nichts zu tun, er war vom Kongreß abhängig. 
Theoretisch war allerdings auch das Schatzamt vom 
Kongreß abhängig. Seine offizielle Stellung verhinderte 
es, öffentlich Verhandlungen mit privaten Stellen zu 
beginnen. Er war in der Lage eines Mannes, dem ver- 
boten ist, ein Feuer in seinem Haus zu löschen, bevor 
der Stadtrat zur Begutachtung erschienen ist. Er muß 
sehen, wie es brennt und sich immer weiter verbreitet, 
und muß untätig danebenstehen. Nimmt man noch an, 
daß der Mann weiß, daß die Hohe Behörde zu spät 
kommen wird, um sein Haus zu retten, so hat man 
ganz genau die Lage, in der das Schatzamt sich befand. 
Seine Beamten wußten, daß man vom Kongreß keine 
Rettung erhoffen konnte, und so begannen sie unter 
strengster Geheimhaltung, selbst Maßnahmen für die 
Rettung zu ergreifen. 
Ein Besuch August Belmonts brachte das Uhrwerk 
zum Laufen, Am 24. Januar fuhr Belmont mit dem 
Nachtzug nach Washington und suchte am nächsten 
Morgen Staatssekretär Carlisle in dessen Büro im 
Schatzamt auf. Er malte ihm die sehr ernste Finanz- 
lage in New York in den schwärzesten Farben. Er 
schien in ernster Besorgnis zu sein — und war es auch 
wirklich — und meinte, daß nur ein Verkauf von Re- 
sierungsschuldverschreibungen in Europa eine furcht- 
bare Krisis verhindern könne. Carlisle, der mehr Poli- 
tiker als Finanzmann war, glaubte, daß ein Verkauf 
von Verschreibungen im Lande selbst denselben Zweck 
erfüllen würde, jedoch sagte er Belmont nichts der- 
gleichen, sondern bat ihn, den europäischen Markt zu 
sondieren und ihm das Ergebnis mitzuteilen. 
Einige Tage später sandte er den Unterstaats- 
sekretär William E. Curtis nach New York, um Bel- 
mont aufzusuchen, Curtis war stets mit solchen ver- 
traulichen Missionen beauftragt worden, recht oft im 
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