Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Man hat Morgans Persönlichkeit oft mit der Theo- 
dore Roosevelts verglichen, denn beide waren Herren- 
menschen, die ungünstige Umstände überwanden und 
Gegnerschaft nicht nur besiegten, sondern zerschmet- 
terten. Jeder von beiden hat bewiesen, daß er ge- 
heimnisvolle, unbewußte Kräfte besaß, die erstaunliche 
Wirkungen hervorrufen konnten. Aber darüber hin- 
aus ist wenig Ähnlichkeit zwischen beiden. 
Das persönliche Reklamebedürfnis, die Eitelkeit des 
Politikers fehlen bei dem Finanzmann vollkommen und 
sind durch ihr Gegenteil ersetzt, eine angeborene Ab- 
sonderung und eine ebenso bestimmte und in seiner 
Natur verwurzelte Abneigung gegen jedes Posieren 
vor der Öffentlichkeit. Wenn es einen einzigen Men- 
schen in den Vereinigten Staaten gab, der niemals Ge- 
legenheit gehabt hatte, Roosevelt die Hand zu schüt- 
teln, dann war es ganz gewiß nicht Roosevelts Schuld. 
Jeder wußte, wie freundlich, ja freundschaftlich er 
gegen alle Welt war. Er freute sich über jede Be- 
kanntschaft, mochte es sich handeln, um wen es 
wollte, daraus entstand Popularität. Aber es braucht 
nicht erst betont werden, daß es Leute gibt, die diese 
Veranlagung nicht zeigen können, selbst wenn sie wol- 
len, und andere, die es nicht wollen, selbst wenn sie 
können. Das hat mit dem Beruf nichts zu tun. E. H. 
Harriman kannte jeden in Wall Street und jeder kannte 
ihn. Jay Cooke, Morgans Vorgänger auf dem Feld der 
Hochfinanz, konnte sich in bezug auf persönliche Re- 
klame wohl mit P. T. Barnum messen. Andererseits 
gibt es Diplomaten genug, deren Art, sich zu geben, das 
Blut in den Adern eines Besuchers gefrieren läßt. Es 
ist nicht eine Frage des Berufs, es ist eine Frage des 
Stolzes. Morgan war viel zu stolz, um etwa ein guter 
Demokrat genannt zu werden. Wenn der Erfolg seiner 
Laufbahn auch nur im geringsten von der Fähigkeit, 
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