Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

hin die Fiktion der Herrschaft der Politik über die 
Wirtschaft aufrechterhalten. Es kann auch wohl kein 
Zweifel darüber bestehen, daß manche Politiker noch 
glaubten, zu schieben, als sie schon längst die Ge- 
schobenen waren, die Puppen, die an den Drähten 
tanzten, die die großen Wirtschafts- und Finanz- 
männer in der Hand hielten. Das wichtigste Vorkomm- 
nis der Nachkriegszeit in Europa auf finanzpolitischem 
Gebiet, die Annahme des Sachverständigen-Gut- 
achtens durch Deutschland, das diesem Lande wenig- 
stens einen modus vivendi mit seinen Feinden aus dem 
Weltkrieg verschaffte, mit allen seinen Nebenfragen 
war im Grunde genommen eine von Wall Street aus- 
gehende Bewegung. Ihre Ursache war in erster Linie 
das Bemühen der Finanzkreise der Vereinigten Staaten, 
endlich einmal die Rückzahlung der im Kriege an die 
Alliierten geliehenen Summen in die Wege zu leiten, 
denn bisher hatte nur Großbritannien ernstliche 
Anstalten gemacht, seinen Verpflichtungen nach- 
zukommen. In zweiter Linie spiegelt der Kampf um 
den Dawes-Plan auch das Ringen zwischen dem Bank- 
haus Morgan und seinem größten Rivalen in Wall 
Street, dem Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., wieder. 
Die Bemühungen John Pierpont Morgans um eine 
Regelung der internationalen Schuldenfrage lassen 
sich bis auf das Jahr 1921 zurückverfolgen. Im Sep- 
tember des genannten Jahres war angeblich ein Herr 
Parker Miller, mit dem Flugzeug aus Paris kommend, 
in Berlin eingetroffen und hatte Verhandlungen mit 
einem Vertreter von Hugo Stinnes — der sich selbst 
damals gerade in Schweden aufhielt — sowie mit dem 
Direktor der A.E.G., Deutsch, gepflogen. Unter dem 
Namen Parker Miller sollte der unerkannt bleiben 
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