Nach der in den Vereinigten Staaten vorherr—
schenden Auffassung ist aber damit die Frage der
Ztaatshilfe für die Landwirtschaft und eines Ein—
jreifens im Wege der Gesetzgebung in die Preis—
zildung für landwirtschaftliche Erzeugnisse noch nicht
erledigt. Die Ziele, die für die einzelnen land—
virtschaftlichen Haupterzeugnisse verfolgt werden,
gehen, wie bereits aus den Berichten zur Haugen—
Bill erkennbar ist, in sehr verschiedenen Richtungen.
Bei Baumwolle handelt es sich um den Versuch
iner reinen Valorisierung. Man ist der UÜber—
zeugung, daß der Teil, den die Vereinigten Staaten
zur Weltversorgung mit Baumwolle beitragen, immer
noch für die Bestimmung des Weltmarktpreises
naßgebend ist. Hier ist also die Aufgabe die, den
Weltmarktpreis dadurch zu regeln, daß die Be—
chickung des Weltmarktes oder die Zurückhaltung der
imerikanischen Ernte vom Weltmarkt der Aufnahme—
ähigkeit des Weltmarktes angepaßt wird.
Dagegen betrachtet die Farmerschaft der Ver—
»inigten Staaten den Mais nur als Rohstoff für die
Fleisch- und Fetterzeugung. Sie verzichtet darauf,
in diesem Erzeugnis gegen Südamerika in Qualität
und Preis zu konkurrieren, ist sogar bei den starken
Ernteschwankungen in diesem Erzeugnis zeitweise
auf Einfuhr angewiesen. Kine reichliche Maisernte
ührt jetzt regelmäßig zu einem starken Ansteigen
der Zuchtviehpreise, mit einem bestimmten Zeit—
ibstand zu einem Anschwellen des Angebots an
Schlachttieren und damit zu einem Sinken der Preise
ür Schlächtereiprodukte. Die Aufgabe einer zur
Aanwirtschaftlichen Regelung der landwirtschaftlichen
Erzeugung berufenen Stelle würde deshalb hier in
zinem zeitlichen Ausgleich der Ernten der fetten
ind mageren Jahre bestehen, um damit Stetigkeit
n die Nachfrage nach Zuchttieren und in das An—
gebot von Schlachttieren zu bringen. Es besteht
ein Interesse an der Hochhaltung der Maispreise im
zInland und Abstoßung von Überschüssen der Mais—
ernte zu Verlustpreisen auf dem Weltmarkt, die die
donkurrenzfähigkeit der auf Export angewiesenen
Schlachtindustrie lähmen würde, wohl aber rechnet
nan mit der zeitweisen Notwendigkeit, Schlacht—
orodukte aus dem Inlandsmarkt zu nehmen und nach
»em Ausland abzustoßen, um den für erforderlich
ehaltenen Inlandspreis zu stützen.
Auch bei Weizen sieht man sich genötigt, auf das
ziel der Valorisierung zu verzichlen, da die zum
Export zur Verfügung stehende Menge zur maß—
geblichen Beeinflussung des Weltmarktpreises nicht
iusreicht. Das Ziel ist hier lediglich Regulierung
»es Inlandsweizenpreises. Die damit betraute
Stelle soll sich jedoch nicht auf zeitlichen Ausgleich
des Angebots nach dem Plan des Joseph in Äghpten
heschränken. Die Getreidemengen, die zur Erzielung
der Verknappung des Angebots aus dem Inlands—
narkt genommen wurden, sollen, wenn man sie
inders nicht wieder loswerden kann, auf den Welt—
narkt geworfen werden.
Als die klassische Methode, den Inlandspreis auf
die Höhe des Weltmarktpreises plus Zoll zu bringen,
vurde die Gewährung einer Ausfuhrprämie in der
döhe des Holls vorgeschlagen. Für Brotgetreide
ann die Ausfuhrprämie nicht in die Form des
kinfuhrscheins, d. h. einer Bescheinigung, die zur
*
7
Nr. 2785
ollfreien Einfuhr der gleichen Menge Getreide be—
echtigt, gekleidet werden, weil die Vereinigten
ztaaten keine Einfuhr an Brotgetreide haben; eine
auernde Entlastung des Marktes würde damit auch
ticht erreicht. Ein Gesetzentwurf, den der Senator
NeKinley aus Illinois bei dem Senat einbrachte,
ah deshalb vores), daß die Exporteure von land—
dirtschaftlichen Erzeugnissen eine staatliche Schuld—
erschreibung in der Höhe des Zollbetrages behän—
igt erhalten sollten, der bei der Einfuhr der gleichen
— D
erschreibung sollte von dem ersten Empfänger oder
ritten Personen bei der Entrichtung von Zöllen
ür jede beliebige Wareneinfuhr in Zahlung gegeben
verden können. Das solchen Vorschlägen gegenüber
jeltend gemachte Bedenken, daß die Verfassung Aus—
uhrprämien verbiete, wäre vielleicht zu überwinden
ewesen. Ausschlaggebend für die Ablehnung waren
ffenbar die Einwendungen, daß es sich Uum eine
uwendung aus der Tasche der Steuerzahler handle,
uch wenn der Umweg gewählt werde, daß der
3taat Zollgebühren nicht erhalte, die ihm an sich zu
ntrichten seien, serner der Einwand, daß das Prä—
niensystem ein Anreiz zur Steigerung der Über—
»roduktion sein würde. Diese Gefahr war bei dem
lusgleichsumlagesystem der Haugen-Bill dadurch
ermieden, daß in der Ausgleichsumlage der durch
sen hohen Inlandspreis und die Forcierung der
lusfuhr ausgeübte Anreiz zur Produktionssteige—
ung ein Gegengewicht fand. —
Beiden Vorschlägen war jedenfalls das gemein—
am, daß sie die Hochhaltung der Inlandspreise auf
dosten einer möglichen Desorganisation des Welt—
narktes zu erreichen strebten.
Das Fehlschlagen der Gesetzesvorlagen legt einen
underen Gedanken nahe, wie die Kaufkraft der land—
airtschaftlichen Erzeugnisse mit der der Industrie—
rzeugnisse auf eine gleiche Stufe gebracht werden
znnte. Statt die Preise der landwirtschaftlichen
ẽrzeugnisse hochzuschrauben, könnte versucht werden,
ie Preise der Industrieerzeugnisse dadurch zu sen—
en, daß man die Zollmauern abbaut. Die Wort—
ührer der Landwirtschaft haben früher schon wieder—
olt gedroht, daß sie aus einer Ablehnung ihrer
Forderungen eine derartige Folagerung ziehen
hürden.
V. Internationale Zusammenarbeit auf dem Ge—
ziet der Erzeugung und des Absatzes von Getreide.
Die Ziele der in den Vereinigten Staaten in der
etzten Parlamentstagung zur Erörterung gestellten
dorlagen über die Organisation des Absatzes land—
dirtschaftlicher Erzeugnisse entfernen sich, soweit die
Zeschickung des Weltmarktes aus den Vereinigten
ztaaten in Frage kommt, nicht so sehr von den
zielen der kanadischen Weizenpoolbewegung, als
zies auf den ersten Blick erscheinen könnte. Die Er—
zrterung in den landwirtschaftlichen Parlaments—
iusschüssen lassen erkennen, daß den Urhebern und
den Befürwortern der Vorlagen die Weltmarktlage
yor Augen schwebte, der die Landwirtschaft der Ver—
inigten Staaten in der Krisenzeit nach Aufhebung
der Kriegswirtschaft gegenüberstand. Die staatliche
3 The Ofticial Record vom 20. Januor 1926 Nr. 8 S. 8.