fullscreen: Denkschrift über die in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen

Nach der in den Vereinigten Staaten vorherr— 
schenden Auffassung ist aber damit die Frage der 
Ztaatshilfe für die Landwirtschaft und eines Ein— 
jreifens im Wege der Gesetzgebung in die Preis— 
zildung für landwirtschaftliche Erzeugnisse noch nicht 
erledigt. Die Ziele, die für die einzelnen land— 
virtschaftlichen Haupterzeugnisse verfolgt werden, 
gehen, wie bereits aus den Berichten zur Haugen— 
Bill erkennbar ist, in sehr verschiedenen Richtungen. 
Bei Baumwolle handelt es sich um den Versuch 
iner reinen Valorisierung. Man ist der UÜber— 
zeugung, daß der Teil, den die Vereinigten Staaten 
zur Weltversorgung mit Baumwolle beitragen, immer 
noch für die Bestimmung des Weltmarktpreises 
naßgebend ist. Hier ist also die Aufgabe die, den 
Weltmarktpreis dadurch zu regeln, daß die Be— 
chickung des Weltmarktes oder die Zurückhaltung der 
imerikanischen Ernte vom Weltmarkt der Aufnahme— 
ähigkeit des Weltmarktes angepaßt wird. 
Dagegen betrachtet die Farmerschaft der Ver— 
»inigten Staaten den Mais nur als Rohstoff für die 
Fleisch- und Fetterzeugung. Sie verzichtet darauf, 
in diesem Erzeugnis gegen Südamerika in Qualität 
und Preis zu konkurrieren, ist sogar bei den starken 
Ernteschwankungen in diesem Erzeugnis zeitweise 
auf Einfuhr angewiesen. Kine reichliche Maisernte 
ührt jetzt regelmäßig zu einem starken Ansteigen 
der Zuchtviehpreise, mit einem bestimmten Zeit— 
ibstand zu einem Anschwellen des Angebots an 
Schlachttieren und damit zu einem Sinken der Preise 
ür Schlächtereiprodukte. Die Aufgabe einer zur 
Aanwirtschaftlichen Regelung der landwirtschaftlichen 
Erzeugung berufenen Stelle würde deshalb hier in 
zinem zeitlichen Ausgleich der Ernten der fetten 
ind mageren Jahre bestehen, um damit Stetigkeit 
n die Nachfrage nach Zuchttieren und in das An— 
gebot von Schlachttieren zu bringen. Es besteht 
ein Interesse an der Hochhaltung der Maispreise im 
zInland und Abstoßung von Überschüssen der Mais— 
ernte zu Verlustpreisen auf dem Weltmarkt, die die 
donkurrenzfähigkeit der auf Export angewiesenen 
Schlachtindustrie lähmen würde, wohl aber rechnet 
nan mit der zeitweisen Notwendigkeit, Schlacht— 
orodukte aus dem Inlandsmarkt zu nehmen und nach 
»em Ausland abzustoßen, um den für erforderlich 
ehaltenen Inlandspreis zu stützen. 
Auch bei Weizen sieht man sich genötigt, auf das 
ziel der Valorisierung zu verzichlen, da die zum 
Export zur Verfügung stehende Menge zur maß— 
geblichen Beeinflussung des Weltmarktpreises nicht 
iusreicht. Das Ziel ist hier lediglich Regulierung 
»es Inlandsweizenpreises. Die damit betraute 
Stelle soll sich jedoch nicht auf zeitlichen Ausgleich 
des Angebots nach dem Plan des Joseph in Äghpten 
heschränken. Die Getreidemengen, die zur Erzielung 
der Verknappung des Angebots aus dem Inlands— 
narkt genommen wurden, sollen, wenn man sie 
inders nicht wieder loswerden kann, auf den Welt— 
narkt geworfen werden. 
Als die klassische Methode, den Inlandspreis auf 
die Höhe des Weltmarktpreises plus Zoll zu bringen, 
vurde die Gewährung einer Ausfuhrprämie in der 
döhe des Holls vorgeschlagen. Für Brotgetreide 
ann die Ausfuhrprämie nicht in die Form des 
kinfuhrscheins, d. h. einer Bescheinigung, die zur 
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7 
Nr. 2785 
ollfreien Einfuhr der gleichen Menge Getreide be— 
echtigt, gekleidet werden, weil die Vereinigten 
ztaaten keine Einfuhr an Brotgetreide haben; eine 
auernde Entlastung des Marktes würde damit auch 
ticht erreicht. Ein Gesetzentwurf, den der Senator 
NeKinley aus Illinois bei dem Senat einbrachte, 
ah deshalb vores), daß die Exporteure von land— 
dirtschaftlichen Erzeugnissen eine staatliche Schuld— 
erschreibung in der Höhe des Zollbetrages behän— 
igt erhalten sollten, der bei der Einfuhr der gleichen 
— D 
erschreibung sollte von dem ersten Empfänger oder 
ritten Personen bei der Entrichtung von Zöllen 
ür jede beliebige Wareneinfuhr in Zahlung gegeben 
verden können. Das solchen Vorschlägen gegenüber 
jeltend gemachte Bedenken, daß die Verfassung Aus— 
uhrprämien verbiete, wäre vielleicht zu überwinden 
ewesen. Ausschlaggebend für die Ablehnung waren 
ffenbar die Einwendungen, daß es sich Uum eine 
uwendung aus der Tasche der Steuerzahler handle, 
uch wenn der Umweg gewählt werde, daß der 
3taat Zollgebühren nicht erhalte, die ihm an sich zu 
ntrichten seien, serner der Einwand, daß das Prä— 
niensystem ein Anreiz zur Steigerung der Über— 
»roduktion sein würde. Diese Gefahr war bei dem 
lusgleichsumlagesystem der Haugen-Bill dadurch 
ermieden, daß in der Ausgleichsumlage der durch 
sen hohen Inlandspreis und die Forcierung der 
lusfuhr ausgeübte Anreiz zur Produktionssteige— 
ung ein Gegengewicht fand. — 
Beiden Vorschlägen war jedenfalls das gemein— 
am, daß sie die Hochhaltung der Inlandspreise auf 
dosten einer möglichen Desorganisation des Welt— 
narktes zu erreichen strebten. 
Das Fehlschlagen der Gesetzesvorlagen legt einen 
underen Gedanken nahe, wie die Kaufkraft der land— 
airtschaftlichen Erzeugnisse mit der der Industrie— 
rzeugnisse auf eine gleiche Stufe gebracht werden 
znnte. Statt die Preise der landwirtschaftlichen 
ẽrzeugnisse hochzuschrauben, könnte versucht werden, 
ie Preise der Industrieerzeugnisse dadurch zu sen— 
en, daß man die Zollmauern abbaut. Die Wort— 
ührer der Landwirtschaft haben früher schon wieder— 
olt gedroht, daß sie aus einer Ablehnung ihrer 
Forderungen eine derartige Folagerung ziehen 
hürden. 
V. Internationale Zusammenarbeit auf dem Ge— 
ziet der Erzeugung und des Absatzes von Getreide. 
Die Ziele der in den Vereinigten Staaten in der 
etzten Parlamentstagung zur Erörterung gestellten 
dorlagen über die Organisation des Absatzes land— 
dirtschaftlicher Erzeugnisse entfernen sich, soweit die 
Zeschickung des Weltmarktes aus den Vereinigten 
ztaaten in Frage kommt, nicht so sehr von den 
zielen der kanadischen Weizenpoolbewegung, als 
zies auf den ersten Blick erscheinen könnte. Die Er— 
zrterung in den landwirtschaftlichen Parlaments— 
iusschüssen lassen erkennen, daß den Urhebern und 
den Befürwortern der Vorlagen die Weltmarktlage 
yor Augen schwebte, der die Landwirtschaft der Ver— 
inigten Staaten in der Krisenzeit nach Aufhebung 
der Kriegswirtschaft gegenüberstand. Die staatliche 
3 The Ofticial Record vom 20. Januor 1926 Nr. 8 S. 8.
	        
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