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,Die Grenzen der Geschichte“,
Bei der metahistorischen Interpolation handelt
es sich um ein Geschehen, das wir vom Boden
der Naturgesetze aus als eine Abfolge von Er
scheinungen gestalten, daher wir es immer nur
aus der Analogie zum Geschehenden begreifen..
Bei der historischen Interpretation handelt
es sich um ein Geschehen, das wir vom Boden
der logischen Denkgesetze aus als ein Geflecht
vernünftigen Tuns erschließen, so daß wir es
aus seinen inneren Zusammenhängen verstehen.
V.
Besinnen wir uns auf die Ausgangspunkte. Unser Thema ist jenes
vierte Problem von den Grenzen der Geschichte, das eins ist mit
der Frage nach den realen Ausläufen des historischen Ge
schehens. Da hat sich die Schwierigkeit ergeben, dieses Problem zu
diskutieren, weil es unter der Last einer scheinbar selbstver
ständlichen Lösung begraben liegt. Es fällt uns ja im
gewöhnlichen Verlauf der Dinge gar nicht bei, nach den Grenzen der
Geschichte in jenem wörtlichsten und zugleich weitestgehenden Sinne
zu fragen, der unserem Probleme entspricht, weil es für eine aus
gemachte Sache gilt, daß man diese Grenzen im älteren Diluvium oder
da herum zu suchen hätte. Wenn der Glaube an diese Lösung wirklich
unerschütterlich wäre, besäße das Problem kein Daseinsrecht; ebensogut
könnte man fragen, warum zwei mal zwei vier ist. Nun ließ sich aber
an dieser Lösung eine verwundbare Stelle ermitteln: Im Geiste
dieser Lösung müßten die historischen, geologischen und biogenetischen
Disziplinen ein Ganzes bilden, von innerer Einheit und Geschlossen
heit, sie müßten also der Erkenntnis nach homogen sein I Bei
diesem Punkte hat meine Kritik eingesetzt, und ihr Ergebnis lehrt,
daß man jener Lösung gegenüber am Zweifel nicht
verzweifeln mußl
Wer jene Gruppen von Disziplinen eines Geistes wähnt, begeht
eine arge Überschätzung dessen, was diesen Wissenschaften in logischer
und anderer Hinsicht tatsächlich gemein ist. Denn mitten durch
diese Gruppe zieht sich ein scharfer Riß, gemäß der
Scheidung zwischen Historie und Metahistorie. Diese
Scheidung aber ist von grundsätzlicher Natur; das heißt, sie läßt
nirgends eine Vermischung des Geschiedenen zu, weder im ganzen.