Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

V. Die Hanse und die nordischen Länder 
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Bayenflotte im Jahre 1427. Für die Opfer, die sich Lübeck dabei selbst auf- 
erlegte — Verzicht auf Bergen- und Schonenfahrt — fand Lübeck Ersatz in 
der Neubelebung der alten Linie von der Ost- zur Westsee über Lübeck und 
Hamburg. Widerwillig richtete sich in diesen kriegerischen Jahren der größte 
Teil des ganzen Ostseeverkehrs, soweit ihn die Kriegsläufte zuließen, auf die 
Trave. Das Travesalz beherrschte wieder den Osten, entbehrte aber selbst 
den wichtigen Absatzplatz Schonen. — Vielzusehr war der Sundverkehr 
bereits eine wirtschaftliche Notwendigkeit für ganz Nordeuropa geworden, 
als daß seine Rückschraubung auf die alte hansische Route überhaupt 
ernsthaft hätte erwogen werden können. Schon während der Kriegsjahre 
hatten sich größere Flotten der Engländer und Holländer den Weg durch den 
Sund gegen die wendischen Städte erzwungen; auch eine preußisch-livlän- 
dische Flotte fand 1429 ihren Weg durch den Sund. Ganz Nordeuropa 
atmete auf, als 1435 mit dem Friedensschluß von Wordingborg der Verkehr 
die gewohnten Wege wieder gehen konnte. 
Durch die Entwicklung des Sundverkehrs war bereits zu Anfang des 
15. Jahrhunderts, während der Kämpfe mit Erich dem Pommern, das eine 
klar, daß ein Krieg zwischen Dänemark und einer Gruppe hansischer Städte 
nicht mehr auf diese Parteien allein beschränkt bleiben konnte. Im Osten war 
as der Ordensstaat, der an der Sundfahrt viel zu sehr interessiert war, als daß 
er unberührt bleiben konnte, im Westen waren es die Engländer und jetzt 
vor allem die Holländer, die notwendigerweise Stellung nehmen mußten. 
Das dänisch-hansische Problem erweiterte sich zu einem all- 
zemein nordeuropäischen Problem. Und diese Erweiterung der 
dänisch-hansischen Frage wirkte sich abermals zuungunsten der lübisch-hansi- 
schen Stellung aus, Außenpolitisch, indem die Holländer die gegebenen 
Bundesgenossen der Sundmacht, also Dänemarks waren; innerpolitisch, 
indem durch die Beziehungen der Holländer zu den kornproduzierenden Ost- 
seeländern das innere Gefüge der Hansen noch mehr gefährdet wurde; wirt- 
schaftlich, indem das hansische Monopol des Ostseehandels durch sie so 
zründlich beseitigt wurde, daß in späteren Jahrhunderten der holländischen 
Schiffahrt der Hauptanteil an der Ostseeschiffahrt zufiel. Es ist eben nur dem 
ungemein politischen Geschick der hansischen Leitung zu verdanken, daß sie 
noch-100 Jahrelang trotz allem sich zu behaupten wußte, mehr noch, durch 
geschickte Ausnutzung aller auftauchenden Kombinationen verschiedentlich 
der gewinnende und führende Teil war, bis das Schicksal Wullenwewers zu- 
gleich das Ende jener Periode brachte, in der die Hanse oder zum mindesten 
die um Lübeck gescharten Städte zu entscheiden hatten über die Geschicke 
der Ostseeländer. Waren bis dahin die Städte noch ein mitentscheidender 
Faktor in dem europäischen Sund. und Ostseeproblem, so scheiden sie seit- 
dem als maßgebender Faktor aus. Dänemark, Schweden, Holland, das sind 
seitdem die Mächte, die in Sund und Ostsee die führenden wirtschaftlichen 
und politischen Faktoren waren.
	        
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