Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

VIIL. Die Gründungsunternehmerstädte des 12. Jahrhunderts 257 
vom Herzog in ihrer Kompetenz für alle städtischen Angelegenheiten, auch 
dem herrschaftlichen Stadtrichter gegenüber, anerkannt wird5%). Wenn 
hierbei die Form des Privilegs, einer scheinbaren Neubildung einer Behörde, 
gewählt wird, so ist das eine Erscheinung, die für mittelalterliche Urkunden 
nichts Ungewöhnliches hat). Wie sehr die Entstehung von Enns in der 
Richtung des nach Rußland gerichteten Handels der Regensburger lag, zeigt 
ja deutlich die Marktordnung von 1191/92. 
Neben dem Fernhandel und seinen Bedürfnissen gab es noch einen anderen 
Zweig der Wirtschaft, der zu denselben Schöpfungen, nämlich unseren 
Gründungsunternehmerstädten, geführt hat; ich meine den Bergbau. Hier 
nur ein Beispiel: Freiberg in Sachsen. Allerdings ein Beispiel von größter 
Bedeutung, nachdem von Rudolf Kötzschke ganz neuerdings zwingend nach- 
gewiesen wurde**), daß hier ein beim Gründungsvorgang beteiligtes Konsor- 
tium von 24 Unternehmern sich in wenigen Jahrzehnten zum Rat der 
Stadt entwickelt®). 
Es kann nicht Aufgabe dieser wirtschaftsgeschichtlichen Betrachtung 
sein, zugleich die verfassungsgeschichtlichen Fragen, die mit ihr zusam- 
menhängen, zu lösen; aber: wenn die Gründungsunternehmerstädte des 
Ostens durchweg mit den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen der 
führenden altdeutschen Städte eng zusammenhängen; wenn sie geradezu 
als deren Ausstrahlungen erscheinen, so kann es nicht wundernehmen, daß 
auch auf dem Gebiet der Verfassung Verbindungen bestehen. Es ist dabei 
die ganz eigenartige Lage der städtischen Verfassungsentwicklung in den 
altdeutschen Städten zu beachten, die eben damals erreicht war, als dieser 
Siegeszug deutschen städtischen Wesens nach dem Osten begann: Noch 
war die städtische Entwicklung der altdeutschen Städte nicht zum Abschluß 
im Sinne der Ratsverfassung gelangt; aber es wäre ein Trugschluß, deshalb 
zu verkennen, wie sehr bereits die neuen gestaltenden Kräfte der bürger- 
lichen Oberschicht am Werke waren, um in ihrem Sinne die Entwicklung zu 
einem glücklichen Ende zu führen. Es war jene Zeit, von der M. Pappen- 
heim so überzeugend die Bedeutung der Gilde als eines vorbereitenden 
Faktors der sich unter ihrem tätigen Einfluß ausgestaltenden Stadtver- 
fassung hervorgehoben hat’). Wenn man für das Verständnis der Freiburger 
conjuratio wiederholt die Kölner Verhältnisse zum Vergleich herangezogen 
hat, so sind Köln und Dortmund besonders zu nennen, wenn man sich die 
Notwendigkeit klar machen will, warum die Form, in der das westdeutsche 
Bürgertum sich zur Städtesiedlung im Osten anschickte, die des gilde- 
mäßigen Zusammenschlusses war. Noch waren ihm ja keine anderen Formen 
geläufig als die, in denen sich die bürgerliche Oberschicht ihrer Heimat- 
städte auszuwirken wußte: das aber waren etwa die Richerzeche und Kauf- 
mannsgilde in Köln; die Rainoldigilde in Dortmund®). Was Dortmunder 
Rainoldigilde®) und Lübecker Unternehmerkonsortium gemeinsam haben, 
Rörig, Hansische Beiträge
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.