Full text: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

11. Der Markt von Lübeck 
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die Zahl 60. Zu ihnen müssen. aber noch die witgerwere, die jährlich ins- 
gesamt 10 m. zahlen, gerechnet werden®®). Man wird ihre Zahl demnach mit 
20 anzusetzen haben. Für Pelzer und Buntmacher ergibt sich, wenn man für 
jeden von ihnen die gleiche Einzahlung annimmt wie bei den Lohgerbern, 
8 ß, bei ihrer bekannten Jahresleistung von 20 m. die Zahl 40°). Ganz ohne 
Anhalt für das 13. und 14. Jahrhundert ist man nur bei den Wollenwebern, 
die jährlich je nur 4 ß „de loco suo‘““ im Lohhaus zahlen. Es ist nur ein not- 
dürftiger Ausweg, wenn für sie eine erst dem Jahre 1460 entstammende 
Schätzungszahl eingesetzt werden mußte®), 
Noch ein Wort über die Verkaufsstellen auf dem offenen Markt. Auch hier 
hat ein glücklicher Fund es ermöglicht, für das Jahr 1291 wenigstens. für 
einige Gruppen der auf dem Markt ausstehenden Händler genaue Zahlen 
auf Grund einer amtlichen Aktnotiz zu bringen. Für die Händler mit ge- 
salzenen Fischen und Heringen*) war für das Jahr 1338 die Zahl aus dem 
Verhältnis von Einzahlung zur Gesamteinnahme der Kämmerei zu errechnen. 
Im übrigen fehlen Zahlen, auch sind die Nachrichten späterer Jahrhunderte 
hier unergiebig. Die Schätzungszahl 150 für die übrigen Händlergruppen ist 
sicher eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Beachtenswert ist für die Fest- 
stellung der Berufe der Verkäufer auf dem offenen Markt die Tatsache, daß 
unter ihnen weit mehr Handwerker der Stadt zu suchen sind, als die An- 
gaben nach Waren (z. B. cum scutellis) vermuten lassen: die Angaben cum 
scutellis, cum vitris, cum harlaken, cum lineo panno, cum pultibus, cum 
ıllis weisen auf die entsprechenden Erzeugungsgewerbe hin, die denn auch 
in der Tabelle an Stelle der Ausdrücke der Quelle eingesetzt sind. 
Durch Zusammenziehen der in den Tabellen I bis IIL gewonnenen Zahlen 
ergibt sich nun zunächst einmal ein Überblick über die Gesamtheit der Ver- 
kaufsmöglichkeiten, die der Lübecker Markt um das Jahr 1290 bot. 
1. Marktbuden in Privateigentum (Tabelle I und II) ......... 169 
2. Marktbuden in städt. Eigentum (Tabelle IITA) .... -...... 163 
3. Verkaufsplätze in Bänkegruppen und Kaufhäusern (Tab. III B) ca. 440 
4. Bewegliche Tische usw. auf dem Markte (Tabelle III C)..... ca. 300 
Gesamtzahl der Verkaufsmöglichkeiten: 1072 
Jedoch wollen diese Zahlen unter sich verschieden gewertet werden. Nur 
vei den Gruppen 1 und 2 liegen die Dinge so, daß hier täglich die Einzel- 
5uden auch wirklich den Schauplatz der Werktätigkeit ihrer Mieter abgeben; 
ınd nicht nur ihrer Mieter, sondern auch von deren Hilfsorganen (Gesellen, 
Lehrlinge). Handelt es sich doch hier in zahlreichen Fällen, wie z..B. bei 
den Schusterbuden, nicht nur um Verkaufs-, sondern auch um Produktions- 
stätten. Anders in Gruppe 3. Für ganz ausgeschlossen halte ich es, daß etwa 
150 Gewandschneider gleichzeitig im Gewandhause den Gewandschnitt 
Rörig, Hansische Beiträge.
	        
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