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Die Gruppe.
einem bestimmten Augenblick entstehen lassen, uns genau bekannt wären
und ebenso die gesamte innere und äußere Situation bei der Entstehung,
so würden wir wohl „verstehen“ können, wie aus solchen ‘Bedingungen
»ine solche Gruppe mit einem solchen Geist hervorgehen müßte, aber
stets würde die Gruppe als eine Ganzheit und Individualität von der
Summe ihrer Elemente und Bedingungen durch eine unüberbrückbare
logische Kluft getrennt sein‘).
Behalten wir diese logischen Grundtatsachen im Auge, so können
wir den Grundgedanken der uns beschäftigenden Auffassungsweise in der
iolgenden Weise andeuten. Wir segen zunächst einen Fall von besonderer
Einfachheit voraus. Wir denken uns nämlich eine Gruppe, die aus einer
beschränkten Anzahl von Individuen besteht, die fortgesegt räumlich
beieinander sind und fortgesegßt sämtlich bei allen Gruppenangelegen-
heiten und Gruppenaktionen jeder mit gleicher Stärke seelisch beteiligt
sind. Denken wir dann z. B. an einen Entschluß, den die Gruppe nach
vorheriger Beratung faßt, so findet auf das Zusammenspiel der dabei
beteiligten Personen die Erwägung Anwendung, die wir früher ($ 14,,)
über das Wechselgespräch, d. h. über den Zusammenhang von Vor-
stellen, Kundgeben und Verstehen angestellt haben: alle beteiligten Per-
sonen sind zugleich empfangend und gebend. Jeder, der sich kundtut,
;eilt damit seine ganze Persönlichkeit mit; jeder, der ihn versteht,
empfängt diese ganze Persönlichkeit und gibt zugleich in dem Verständ-
nis seine eigene Persönlichkeit kund. Mitteilen und Verstehen bildet so
sinen einheitlichen Vorgang, in dem die Seelen aller Beteiligten in einer
Einheit zusammenklingen; und diese Einheit ist dann die Individualität
der Gruppe. Aus dem Zusammenklingen der einzelnen Mitglieder ent-
steht so eine neue Individualität. Sie ist abhängig und bestimmt durch
die Persönlichkeiten der Mitglieder — aber nicht im summativen Sinne,
sondern im Sinne einer schöpferischen Neubildung, die von ihren Ele-
menten in einer spezifischen Weise abhängig ist. Die verschiedenen Akte
des Gruppenlebens, die im Laufe der Zeit sich abspielen, besigen unter-
einander offenbar diejenige Einheitlichkeit und Kontinuität, die dem
Leben jeder Individualität eigen ist. Die neue Individualität ist jeden-
falls abhängig von denjenigen ihrer Mitglieder: wäre auch nur ein ein-
ziges von ihnen anders beschaffen, so wäre auch sie anders geartet. Zu-
gleich bestimmt sie ihrerseits aber auch wieder die Persönlichkeit ihrer
Genossen: indem jedes einzelne Mitglied seine ganze Seele in das soziale
Zusammenspiel hineingibt, wird diese darin auch ihrerseits wieder ge-
formt. Man sieht, wo der entscheidende Fehler der individualistischen
1) Vgl. die Ausführungen in meinem Beitrag „Gesellschaftsphilosophie“ in den
Jahrbüchern der Philosophie III, 284 f.