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38 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft.
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persönlicher wie in überindividueller und unpersönlicher Form. In seiner reinen
Form bedeutet der Trieb die Bereitschaft zur höchsten Aktivität in polarisierter Form
und gewissermaßen eine Erhebung des Ich über sich selbst.
1. In seiner einfachsten Form können wir den Instinkt der Unter-
ordnung beobachten bei einem Hunde, der vor einem stärkeren Art-
genossen oder auch vor seinem Herrn bei einem Vergehen, für das ihm
unter Umständen Strafe drohen würde, sich auf den Rücken legt und da-
durch wehrlos macht. Von dem Zustande der Furcht ist dieses Ver-
halten deutlich unterschieden: denn jener führt entweder zur Flucht oder
im Verhinderungsfall zum Verkriechen oder dazu, daß das Tier sich duckt
und möglichst in sich zusammenzieht. — Wenden wir uns dann dem
Menschen zu, so zeigt sich zunächst das Kind in charakteristischer Weise
von dem Instinkt der Unterordnung beherrscht. Man denke an die Art
und Weise, wie wir kleine Kinder sich in die Ordnung des Hauses ein-
fügen sehen: ihr Ton und ihre sonstigen Ausdrucksbewegungen lassen
ein Element der Freiwilligkeit, ja gelegentlich der Freudigkeit in ihrem
Verhalten erkennen. Ebenso kennzeichnend ist der Ton der Billigung
und des. Respektes, der Überlegenheit und der Sicherheit, in dem sie
wohl jüngere Geschwister über das schickliche Verhalten im Familien-
kreise oder über die Schulordnung aufklären. Auf die völlige Verschie-
denheit von der Gesinnung der Furcht braucht kaum hingewiesen zu
werden. Noch deutlicher ist der Sachverhalt bei den gemeinschaftlichen
Spielen; bei dem Gehorsam, der den Spielregeln in der Regel noch er-
heblich blinder als den Geboten des Hauses gezollt wird: von Furcht vor
der überlegenen Stärke der Führer kann in manchen Fällen nicht die
Rede sein. Die größere Willigkeit der Unterordnung aber erklärt sich
daraus, daß die Kinder gleichsam ihre eigenen Angelegenheiten betreiben:
ihr ‚eigenes Ich ist an der Spielordnung als an ihrer eigenen Schöpfung
im höchsten Maße beteiligt. Erinnert sei endlich noch an ihr Verhalten
gegenüber Erwachsenen, die eine Autorität ihnen gegenüber besigen: wie
ausgetauscht ist hier das eben noch verdrossene oder zürnende Kind, voll
von Eifer und Freundlichkeit, und tut dem verehrten Menschen zu Ge-
fallen, was es ihm nur an den Augen absehen kann. Ist in solchen Fällen
auch oft ein Bestreben unverkennbar, für gutes Wetter zu sorgen, so
werden wir darin angesichts der übrigen Tatsachen nur ein hinzutreten-
des Oberflächenmotiv zu erblicken haben.
Die Erwachsenen verhalten sich entsprechend gegenüber autorita-
tiven und führenden Persönlichkeiten. Die genialen Führerpersönlich-
keiten der Weltgeschichte nach Art eines Napoleon zeigen im großen, was
wir in kleinerem Maßstabe täglich um uns beobachten können: ihr Wesen
ruft in ihrer Umgebung eine blinde Hingabe hervor, die eine völlige Un-
möglichkeit eines Widerstandes in sich schließt. Burckhardt schildert