Der Unterordnungstrieb
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eigenschaft der Liebe, ihren Gegenstand zu verklären und ein ideales
Bild der Vollkommenheit in ihn hineinzusehen., tritt uns dann ungetrübt
entgegen.
Aber in Zusammenhang mit Verehrung und Liebe muß ein noch umfassenderer
Tatbestand festgestellt werden, nämlich die Nachahmung
der verehrten Persönlichkeit. Es gehört zu den besonderen
Wirkungen des Unterordnungstriebes, daß er die Nachahmungsbereitschaft
in spezifischer Weise in Bewegung segt. In drastischer Form ist
diese Tatsache ausgesprochen in dem bekannten Dichterwort von dem
Korporal, der es seinem Feldherrn glücklich abgesehen hat, wie er sich
räuspert und wie er spuckt. In derselben Weise wird das Äußere ver.
chrter oder geliebter Personen überall nachgeahmt. Zu welcher weitgehenden
Angleichung dieser Vorgang in der Ehe führen kann, ist bekannt.
Kinder sehen wir in solcher Weise ihre Eltern und andere Erwachsene
nachahmen, zum Teil aber auch im Spiele die Tiere ihrer Umgebung,
die ebenfalls eine Art Autorität wegen ihrer körperlichen Überlegenheit
für sie besigen können. Wie ein Schüler seinen verehrten Lehrer
in allen Äußerlichkeiten, in Haltung, Gebärde und Sprechweise, ja
sogar in der Schrift nachahmen kann, ist ebenfalls bekannt. Dieselbe
Wirkung kann ein Vorgesegßter, der einen starken Eindruck macht, auf
seine Untergebenen ausüben. Und ganz allgemein gilt von jeder aufsehenerregenden
Person, daß sie in ihrer Umgebung eine Menge Kopien
ihres äußeren Verhaltens hervorruft. Der Vorgang kann völlig unbewußt
scin. Und gerade dann bewahrheitet er am meisten das bekannte englische
Wort, daß Nachahmung die höchste Form der Schmeichelei sein
kann.
Auch eine Grup p € kann ebenso wie eine einzelne Person als Vorbild
wirken: wer in eine studentische Verbindung oder ein Offizierkorps
eintritt, ahmt die Eigentümlichkeiten seiner Gruppe bis in alle Einzelheiten
der Armbewegung oder der Sprechweise mit liebevoller Treue
nach. Repräsentiert wird die Gruppe dabei teils durch alle Mitglieder,
teils durch diejenigen, die sich eines besonderen Ansehens erfreuen.
Überall wo wir eine starkbetonte Eigenart der Gruppe, eine scharfe Absonderung
nach außen, einen starken Korpsgeist und ein entsprechend
starkes Bewußtsein der Zugehörigkeit finden, überall also, wo das Wesen
der Gruppe hinreichend rein ausgeprägt ist, da erregt und erhält die
Gruppe die Haltung der Nachahmung unter ihren Mitgliedern. Aber auch
die Einheitlichkeit des Lebensstiles, wie sie z. B. innerhalb einer Nation
herrscht, ist in dieser Weise, wenn auch in etwas verwickelterer Art. zu
erklären.
Dem Betrachter fällt bei diesem Vorgang der Nachahmung zunächst
das Äußere in die Augen: die Nachahmung des äußeren Verhaltens. wie