Der Unterordnungstrieb.
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Opposition erweckt. Nach Me Dougalls freilich bestreitbarer Auffassung
tritt eine Verlegenheit sogar in jedem Fall beim Loben ein, weil der
Gelobte dem Lobenden eine innere Berechtigung zu seiner Beurteilung
zugesteht und sich damit ihm unterordnet, während er sich durch das Lob
zugleich gehoben fühlt. — Sicher entsteht Verlegenheit für viele Menschen,
wenn sie ihnen untergeordneten Menschen gegenüber ihre Überlegenheit
in einer peinlichen Angelegenheit (z. B. Ablehnung einer Bitte
oder Ausspruch eines Tadels) geltend machen müssen: indem sie diese
Situation selbst als peinlich empfinden, möchten sie gleichsam das Selbstgefühl
verleugnen, dessen Entfaltung doch die Lage von ihnen fordert.
Schon wenn jemand bei einem Vergleich seines Schicksals mit weniger
Begünstigten seine Bevorzugtheit als unbegründet empfindet, kann sich
die Verlegenheit einstellen; man sagt wohl mit freilich ungenauem Ausdruck:
er schämt sich seines Glückes.
12. Im Unterordnungstrieb liegt die wichtigste Vurzel des Gehorsams.
Eine populäre Meinung sucht sie freilich bekanntlich in
der Furcht. Mag es sich um den Gehorsam der Kinder gegen die Eltern,
der Schüler gegen den Lehrer oder des Bürgers gegen Behörden und GeseBe
oder endlich des Erwerbstätigen gegen die Weisungen seines Brotgebers
handeln, überall soll die Furcht zum Teil vor diesseitigen, zum
Teil sogar vor jenseitigen Strafen die Erklärung abgeben. Zunächst
würde aber die Furcht im eigentlichen Sinne, wenn sie ausschließlich
herrschte, eine Verfassung völliger innerer Lähmung hervorrufen, die
sich mit dem tatsächlichen Charakter des Lebens, mit seinen tatsächlichen
Anforderungen an die menschliche Aktivität nicht verträgt. Aber auch
der Mechanismus der Anpassung und seine Berücksichtigung der nüßlichen
und schädlichen Folgen, an den man noch eher denken könnte,
genügt nicht zur Erklärung. Die Vulgärpsychologie, die in ihr die Haupttriebkraft
des menschlichen Handelns erblickt, ist vor allem in zwei Irrtümern
befangen. Erstens mißkennt sie die Beharrungskraft der menschlichen
Psyche, die sich durch die Aussicht auf irgend einen Gewinn allein
noch lange nicht zu neuen Verhaltungsweisen antreiben läßt. Vor allem
übersieht sie aber die Tatsache der angeborenen Anlagen, die an sich
schon die Triebkräfte für die menschliche Tätigkeit liefern, und an die
alle weiteren Antriebe nur anknüpfen können im Sinne einer Weiterund
Umbildung. Gewiß gibt es Fälle, in denen der Anteil der Anpassungskraft
stark ist; das moderne Erwerbsleben ist gesättigt davon, und
die Sklaverei zeigt in gewissen Formen diesen Typus vielleicht noch stärker
entwickelt. In diesen Fällen sind Jedoch der Befehlende und der Gehorchende
durch eine große Kluft voneinander getrennt: der Unterordnungswille
aber bedeutet eine innere Verbundenheit: und diese kann