Full text: Gesellschaftslehre

Der Kampftrieb. 
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7. Der Kamnftrieb. 
Inhalt: Der Kampftrieb bedeutet den Willen, einen anderen zu schädigen. 
Er wird im allgemeinen durch die angenommene entsprechende Absicht des an- 
deren hervorgerufen. Gegen Schwache und Wehrlose richtet er sich jedoch typischer- 
weise auch ohne solchen Anlaß. Auch kann der legößtere erseöt werden durch ein 
Funktionsbedürfnis unseres Triebes. — Von sozialer Bedeutung ist er in der defen- 
siven Form als Selbsthilfe, in der aggressiven Form als eine Komponente bei der 
strafenden Tätigkeit; beim kollektiven Kampf ist vor allem dessen organisierende 
Kraft zu betonen. 
1. Der Kampftrieb ist darauf gerichtet, sein Objekt zu schädigen, 
Der Anlaß zu seiner Betätigung- liegt von Hause aus in einer Störung 
des eigenen Gedeihens, speziell eigener Absichten oder Interessen oder in 
der Erwartung einer solchen. Besonders klar ist das bei der defensiven 
Form des Kampfes. Aber auch der Angriff erfolgt in der Regel nur da, 
wo eine Störung zu erwarten ist oder eine frühere vergolten wird. Bei 
dem Begriff der Störung ist zu beachten, daß, während bei den Tieren 
unser Instinkt bekanntlich lediglich die leibliche Schädigung oder Ver- 
nichtung zum Ziel hat, beim Menschen die geistige Form des Kampfes 
gegenüber der leiblichen weitaus die größte Bedeutung besigt. Eine 
Störung bedeutet hier schon jede Beeinträchtigung des Glücksgefühls 
oder des Selbstgefühls durch den Erfolg anderer oder durch Schwierig- 
keiten persönlicher oder sachlicher Art; ebenso jede Erregung von Un- 
lust durch unangenehme Eindrücke oder Nachrichten. — Der Wille zur 
Schädigung kann sich dabei mehr äußere oder innere Ziele segen. Er 
kann auf die Erregung leiblichen oder seelischen Schmerzes, insbesondere 
auf eine Schädigung des Selbstgefühls, auf eine Enttäuschung des Geg- 
ners oder auf die Zufügung wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Nach- 
teile gerichtet sein. Bekannte Formen des geistigen Kampftriebes sind 
das Necken, der Wortstreit und der Widerspruchsgeist. Bei dem legteren 
ist charakteristisch die Nichtigkeit des Anlasses, aus dem er sich oft be- 
tätigt. Der äußere Anlaß wirkt hier offenbar nur auslösend: wir haben 
es hier nicht mit der reaktiven Form des Kampftriebes zu tun, von 
der wir ausgingen, sondern mit seiner aktiven Form, dem Kampf 
aus Funktionslust, die wir weiterhin näher betrachten werden. 
2. Einen besonderen Typus bilden diejenigen Fälle, in denen sich 
der Kampfinstinkt gegen den Schwachen wendet. In vielen Fällen 
bildet der Anblick oder der Eindruck der Schwäche einen hinreichenden 
Grund für die Erregung unseres Triebes. Man denke an die weitver- 
breitete Neigung, den Hinkenden oder Trunkenen zu verspotten; oder 
an die allgemeine Bereitwilligkeit, dem Sterbenden einen Fußtritt zu 
geben, — eine Behandlung, die alle gefallenen Größen zu kosten be- 
kommen. In feinerer Form zeigt sich derselbe Trieb als Schadenfreude.
	        
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