Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

06 
Zahlen beständig, so daß man nie erwarten kann, feststehende nume- 
rische Verhältnisse zur Untersuchung zu erhalten. Man muß damit 
zufrieden sein, daß die eine oder die andere wirkende Ursache in 
Erscheinung tritt. Gesetzt den Fall, man habe gefunden, daß irgend- 
ain Beruf der Gesundheit schädlich sei, diese Tatsache wäre dann 
für den Gesetzgeber und den Hygieniker ausreichend; von geringerer 
Bedeutung ist es, ob die betreffende Erhöhung der Sterblichkeit 20 
der 30 Proz. ausmacht, wenn man nur weiß, daß es sich um einen 
jedeutenden, durch hygienische Mißstände hervorgerufenen Unter- 
schied handelt. 
Die folgenden ganz elementaren Betrachtungen über die 
Regelmäßigkeit in den statistischen Phänomenen, über Natur und 
Bedingungen solcher Regelmäßigkeit, werden Beispiele für die Methode 
statistischer Untersuchungen abgeben. Mit Rücksicht auf die großen 
Verschiebungen, welche der Krieg von 1914—1918 mit sich führte, 
ist das im folgenden benutzte Material auf die Vorkriegszeit be- 
zrenzt worden. 
70. Als erstes Beispiel kann die Heiratsstatistik benutzt werden; 
man hat für Berlin!) folgende Zahlen: 
Periode 
‚820—1829 
‚830—1839 
‚L840—1849 
‚850—1859 
‚860—1869 
‚870—1879 
‚880—1889 
L85J)—1899 
1900—1909 
Zahl der Durch- MN 
geschlossenen schnittliche 1, den jährlich 
Ehen Bevölkerung verheiratet 
‚9,9 
8,5 
18,2 
19,5 
22,7 
24,3 
21.1 
21,7 
21,5 
Jährlich treten also ungefähr 2 Proz. der Bevölkerung in den 
Ehestand; aber es gibt erhebliche Abweichungen, namentlich zeigen 
sich ansehnliche Schwingungen für 1870—1879, ein Jahrzehnt, das 
an und für sich eine der interessantesten sozialökonomischen Perioden 
in neuerer Zeit ist. Von 21 pro Mille im Jahre 1871 steigt die Ehe- 
schließungsfrequenz auf 27 pro Mille im folgenden Jahre, und in den 
drei folgenden Jahren ist sie 28, 29 und 31 pro Mille, worauf sie 
1876 auf 25 und 1877 auf 22 pro Mille fällt. Überhaupt steigt oder 
ı) Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin, 32. Jahrg., Berlin 1913, S. 4 u. 62.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.