Prüfung von Leinölfirnis
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe
Schon mehrfach wurde in dieser Zeitschrift auf die Bedeutung
der Materialprüfung für das Handwerk und speziell für das Maler-
gewerbe hingewiesen, da gerade der Maler beim Einkauf von Farben,
Firnissen usw. außerordentlich leicht Täuschungen ausgesetzt ist,
Diese Tatsache ist darin begründet, daß die Prüfung von Farben und
Firnis in der Hauptsache nur durch chemische Analyse erfolgen kann,
die für den Nichtchemiker undurchführbar ist. Immerhin konnte be-
reits früher (Betriebsführung, Jahrg. V Nr. 4) gezeigt werden, wie
sich auch der Malermeister durch ganz einfache chemische Reaktio-
nen, die er ohne weiteres selbst anwenden kann, ein gewisses Urteil
über die Qualität von Mineralfarben verschaffen kann, Ein ganz be-
sonderes Schmerzenskind ist für ihn aber der in der Maltechnik unent-
behrliche Leinölfirnis, dessen Qualität für die Haltbarkeit und Schön-
heit eines Anstriches von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die Ver-
Fälschungen, die hier auftreten können, bestehen in einem größeren
Zusatz von Mineralöl (in seltenen Fällen auch Rüböl) und Harz, Es
ist bekannt, daß sogenannte „unverseifbare Öle‘ (Mineralöle) die
Trockenfähigkeit des Firnis stark vermindern und in größerer Menge
Weißen Farben im Anstrich einen gelblichen Ton geben können, Ein
größerer Zusatz von Harz befördert wohl die Trockenfähigkeit, doch
kann der Fall eintreten, daß der Farbenanstrich nach einiger Zeit
wieder zu kleben beginnt und dann nicht mehr trocknen will, auch
kann Harz in größerer Menge ein Stocken der Farben verursachen,
Es ist begreiflich, daß vielfach im Malergewerbe der Wunsch nach
einfachen Prüfungsmethoden für Firnis an uns herantritt, doch haben
in dieser Hinsicht alle bisherigen Versuche fast nur negative Ergeb-
NMisse gezeitigt. Man möge bedenken, daß die Untersuchung von Ölen
und Firnissen auch für den ausgebildeten Chemiker zu den schwie-
Mgsten Aufgaben gehört, die mit aller Sorgfalt ausgeführt werden
müssen und viel Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem wurden uns
aus der Praxis heraus schon eine ganze Reihe von „einfachen Erken-
Nungsmethoden‘ für Mineralöl und Harz im Firnis genannt, die sich
Nach eingehender Prüfung als durchaus unzuverlässig erwiesen haben,
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