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I. Teil. Allgemeines.
Gebiete lag, so groß, daß sie auf die Dauer nicht getragen werden
konnte. Es erwies sich als notwendig, die Aufgabe auf bestimmte
Organe zu übertragen, die sich ihr dauernd widmen und sich auf aus
reichendes fachliches Wissen stützen können.
Das sind die sachlichen Erwägungen, die sich für die Errichtung
der Arbeitersekretariate geltend machen lasssn. Bei der Begründung
des ersten derartigen Organes — in Nürnberg 1894 — haben freilich
noch andere Erwägungen mitgesprochen. Es wurde damals dem
Arbeitersekretariat auch die Aufgabe zugedacht, „die Gewerkschaften
zu stärken und die den Gewerkschaften gleichgültig gegenüberstehen
den Arbeiter zur Organisation hinüberzuziehen“; ferner dachte man
sich, daß das Sekretariat gewisse Aufgaben der Gewerkschaften, z. B.
die Auszahlung der Reiseunterstützung, übernehmen könne. Auch in
späteren Fällen mag die Erwägung mitgewirkt haben, daß die Arbeiter
sekretariate zugleich zu einer Stärkung der von der Sozialdemo
kratie beeinflußten Arbeiterorganisationen beitragen könnten. Dadurch
erhalten die Arbeitersekretariate einen politischen Beisatz, der viel
leicht besser ganz vermieden wäre. Indessen sind die sachlichen
Gründe, die für solche Organe sprechen, so stark, daß an dieser Stelle
von einer Würdigung der eigentlichen Aufgabe der Arbeitersekretariate
nicht abgesehen werden kann.
Dem Nürnberger Beispiel sind die Gewerkschaften und Gewerk
schaftsverbände noch an vielen Orten gefolgt. Bis Anfang 1903 waren
in 41 deutschen Orten von Gewerkschaften Arbeitersekretariate er
richtet. Vier Sekretariate sind inzwischen wieder eingegangen. Von
den bestehenden Sekretariaten sind 35 an der Generalkommission der
(sozialdemokratischen) Gewerkschaften beteiligt. Über 32 davon hat
das Korrespondenzblatt der genannten Generalkommission 1903 Nr. 26
nähere Angaben veröffentlicht. (Vgl. auch Reichsarbeitsblatt 1903
Nr. 5, S. 378 ff.) Von den 32 Sekretariaten sind die meisten erst in
den letzten Jahren entstanden, nämlich 1902: 5, 1901: 6, 1900: 6,
1899: 8, 1898: 4. Eine Sonderstellung nimmt darunter das am
1. Januar 1902 eröffnete Gothaer Arbeitersekretariat ein; es erhält
aus Staatsmitteln eine Jahresunterstützung von 2000 M. für Ver
waltung und von 200 M. für Anschaffung von Gesetzbüchern und
bestreitet damit im wesentlichen seine Ausgaben. Die Leitung ist
einer Kommission von 7 Mitgliedern übertragen, in der auch der Ge
werbeverein, also eine Arbeitgebervereinigung, vertreten ist. Noch
anders ist der Charakter des am 1. Jan. 1899 eröffneten Arbeiter
sekretariates in-Ulm und des am 1. Januar 1903 eröffneten Arbeiter
sekretariates in Kaiserslautern. In beiden Fällen handelt es sich um
eine Gemeindeanstalt. Die Aufsicht führt in Ulm der Gemeinderat
bzw. der Vorstand der Arbeitsvermittelungs- und Wohnungskommission