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wie sie Vanderbilts Bestechungsgelder annehmen und ihn
dann um noch größere Beträge plündern könnten. Sie
wußten, daß, selbst wenn sie ihm die Konzession gäben, sie
von den Gerichten nicht anerkannt werden würde. Die
Staatslegislatur nahm das alleinige Recht der Konzessions-
erteilung für sich in Anspruch, und scharfsinnige Juristen
versicherten, daß sie hiervon auch nicht abgehen würde. Die
Stadträte beschlossen nun, der New York- und Harlem-
Eisenbahn die Broadway-Konzession zu erteilen. Eine plötz-
liche Kurssteigerung der Aktien würde die Folge sein. Die
Legislatur nun würde sicher Law die Konzession für die
gleiche Linie erteilen. Wenn die Gerichte gegen den
Gemeinderat entschieden, wollte dieser ‚voll Devotion‘
ohne weiteres die erteilte Konzession widerrufen. In der
Zwischenzeit wollten die Stadträte und die mit ihnen ver-
bündeten Politiker und Bankiers Verkaufsverträge über
große Mengen der New York- und Harlem-Aktien ab-
schließen.
Die Methode war einfach. Wenn diese Eisenbahnaktien
mit 100 Dollar pro Stück in Hinblick auf die Broadway-
Konzession verkauft wurden, würden die Stadträte sicher
sehr viel Leute finden, die sich verpflichteten, bei ihrer Lie-
ferung in einem Monat einen Preis von vielleicht 9o Dollar
pro Aktie zu zahlen. Durch den Widerruf der Konzessions-
erteilung oder infolge der ungünstigen gerichtlichen Ent-
scheidungen würden die Aktien zweifellos ganz erheblich
sinken. Zu diesem niedrigen Preise wollten die Stadträte
und ihre Bundesgenossen die Aktien kaufen und dann die
Vertragskontrahenten zwingen, den verabredeten Preis von
90 Dollar pro Aktie zu zahlen. Der Unterschied zwischen
diesem Verkaufspreis und dem wirklichen Kurswert — 30,
40 oder 50 Dollar pro Aktie — sollte den Gewinn ausmachen.
Zum Teil glückte dieser Plan glänzend. Die Legislatur
erließ eine Verfügung, welche Law die Konzession zubilligte.
Vanderbilt beabsichtigte, durch Bestechung Tweeds, des
allmächtigen politischen Beherrschers der Stadt und des
Staates New York, dessen rechte Hand, den Gouverneur
Seymour, zu veranlassen, diese Verfügung aufzuheben. Wie
die Stadträte vorausgesehen hatten, ging die gerichtliche