12. Der Kongreß Deutscher Volkswirte.
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dem Eindruck fragte, den die Kaiserin auf sie gemacht habe: „O, das scheint fast eine
ebenso liebe Frau zu sein wie unsere liebe Frau Krupp," — ein Zeugnis aus dem
Munde einer einfachen Frau aus dem Volke, das beide Teile in gleicher Weise ehrt.
Die soziale Tätigkeit bildete auch dann das Glück des Verewigten, als aus
gegnerischem Lager Verleumdungen und Verdächtigungen kamen, die ihm das Wirken
gerade aus diesem Gebiete hätten verleiden können. Latten jene Gegner den Mann
ihrer Angriffe in seiner Lerzensgüte und Menschenliebe, in seiner Bescheidenheit und
Zurückhaltung gekannt, ich glaube, sie wären nicht fähig gewesen, ihm unlautere Gründe
zu unterstellen. Ihm, der so ungern in die Öffentlichkeit trat, wurde vorgeworfen, er
wirke aus egoistischen Gründen für eine Vermehrung der deutschen Flotte und für eine
Vergrößerung des Geschützparkes der Artillerie; Tag auf Tag wurde die Anklage wieder
holt: „Krupp schreibt, um neue Lieferungen zu erlangen, in Sachen der Flotten
vermehrung," „Krupp empfiehlt, behufs neuer Kanonenbestellungen, nachfolgende Ver
änderungen der Artillerie usw.", während er an keinem dieser Zeitungsartikel irgendwie
beteiligt war. Das hat ihn tief verwundet, und das war mit dafür maßgebend, daß
er in den letzten Zähren die Zeit seiner Abwesenheit vom Lause Lügel mehr und
mehr ausdehnte, und daß er u. a. auch längeren Aufenthalt in Capri nahm, um dort
der Erholung und wissenschaftlicher Beschäftigung in der Tiefseeforschung zu leben,
einem Gebiete, daß er durchaus nicht nur als Dilettant behandelte, wie zahlreiche
Museen, mit denen er in Korrespondenz stand, gerne bezeugen werden.
Wer Krupp näher gekannt hat, wer in die Güte und Tiefe seines Lerzens, in
die Freundlichkeit und Bescheidenheit seines Wesens einen Blick zu tun Gelegenheit
hatte, der wird wissen, wieviel wir an ihm verloren haben. Er war eine edle, feine,
wahrhaft vornehme und deshalb in erster Linie überall ohne irgendwelche selbstsüchüge
Motive hilfsbereite Natur. In wie vielen Fällen, die mir persönlich durch die Be
teiligten bekannt geworden sind, hat er auf kaufmännischem, auf industriellem, auf wissen
schaftlichem und auf künstlerischem Gebiete geholfen, wo Lilfe notwendig war, oder wo
er selbst das Bedürfnis sah, auch ohne daß andere es ihm nahegelegt hätten! Wenn
diese Fälle nicht zur Kenntnis weiterer Kreise kamen, so lag der Grund nur in dem
dringenden Wunsche Krupps, daß über solche Dinge überhaupt nicht gesprochen werde,
ein Wunsch, der auch an dem heutigen Tage seiner Totenfeier in Ehren gehalten
werden soll. And dabei war Krupp eine unendlich dankbare Natur. Für den kleinsten
Dienst, der ihm erwiesen wurde, für Aufmerksamkeiten, die viele andere als selbst
verständlich ihrer Person und Stellung gegenüber betrachten, hielt er nie mit seinem
Danke zurück, und das beste an diesem Danke war, daß man nierkte und fühlte, er
komme wirklich aus dem Grunde seines Lerzens.
12. Der Kongreß Deutscher Volkswirte.
Von Viktor Böhmert.
Böhmert, Rückblicke und Ausblicke eines Siebzigers. Dresden, CD. v. Böhmert, tzoc>.
5- ls-20.
Das Jahr 1857 wurde für mich dadurch ganz besonders bedeutungsvoll, daß ich am
23. Mai 1857 im Bremer Landelsblatte in einer einsamen Stunde ganz aus mir
selbst heraus, ohne mit den Unternehmern des Landelsblattes oder mit Freunden meiner
Richtung Rücksprache zu nehmen, einen „Aufruf zu einem Kongresse Deutscher Volks
wirte" veröffentlicht hatte. Diesen Aufruf, den ich mit Briefen an die Redaktionen