dem Kriege begonnenen Bahnbau Ruprechtshofen-
Gresten in Niederösterreich, der bei Kriegs-
seginn eingestellt werden mußte, obwohl er bereits bis
zu 70% fertiggestellt war.
Die übrigen, während des Krieges von der Heeres-
‚erwaltung begonnenen, aber unvollendet gebliebenen
Bahnbauten, für deren Fertigstellung alsbald eine leb-
hafte Werbung einsetzte, sind die vollspurige Bahn von
Feldbach nach Bad Gleichenberg in Steiermark,
die I m-spurige Linie Landeck-Tösens in Tirol und
die gegenwärtig als Schleppbahn betriebene Fortsetzung
der schmalspurigen Lokalbahn Weiz-Birkfeld von Birk-
feld nach Ratten.
Angesichts des auch von politischer Seite ohne Unter-
schied der Parteirichtung unterstützten Drängens der
örtlich interessierten Kreise sah sich die Bundes-
regierung schon im Jahre 1919 veranlaßt, hinsichtlich der
Fertigstellung dieser Bahnbauten besondere finanzielle
Vorsorgen zuzusagen. Fine Erfüllung dieser Zusage
konnte aber bei der Finanzlage des Bundes, die die
äußerste Sparsamkeit gebot, nicht im Wege eines alle
diese Bahnen umfassenden KEisenbahnsicherstellungs-
gesetzes erfolgen, dessen finanzielle Auswirkungen den
Bundeshaushalt zu sehr belastet hätten. Die Verkehrs-
verwaltung war vielmehr auf die bescheidenen Kredit-
vorsorgen für Eisenbahnbauzwecke im Rahmen des all-
jährlichen Bundesvoranschlages beschränkt. Diesen Weg
beschritt nun die Verkehrsverwaltung zunächst auch
für die finanzielle Sicherstellung des Erfordernisses für
die Vollendung des am weitesten vorgeschrittenen Bahn-
baues Ruprechtshofen-Gresten. Die schmalspurige
36 Kilometer lange Lokalbahn von Ruprechtshofen nach
Gresten erschließt mit dem Teilstück Wieselburg an der
Erlauf-Gresten das Klein-Erlauftal und stellt durch das
Verbindungsstück Ruprechtshofen- Wieselburg an derErlauf
den auch betriebswirtschaftlich notwendigen Anschluß an
den Flügel Obergrafendorf-Ruprechtshofen der gleich-
ialls schmalspurigen _niederösterreichisch- steierischen
Alpenbahn St. Pölten-Obergrafendorf-Mariazell her.
Die wertvollen Waldbestände des kleinen Erlauftales,
zeine gut entwickelte Landwirtschaft, das Vorkommen
von Braunkohle,das Bundesgestüt in Perwarth und der noch
im Laufe des Jahre 1929 zur Errichtung gelangende Molke-
reimusterbetrieb in Wolfpassing sind die wirtschaftlichen
Werte des Tales. Dazu kommt, daß dieses stille Tal
fast vor den Toren Wiens reizend gelegene Orte birgt,
wie Steinakirchen am Forst, Randegg und Gresten, die
Derufen erscheinen, in die erste Reihe der niederöster-
veichischen Sommerfrischen zu treten.
Schon im Jahre 1913 wurde mit dem Bau der Lokalbahn
begonnen. Bei Kriegsausbruch wurden aber die Arbeiten
wieder eingestellt. Im Februar 1925 entschloß sich die
Bundesregierung im Zusammenwirken mit dem Lande
Niederösterreich und den örtlichen Interessenten zur Be-
zeitstellung der zur Vollendung der Lokalbahn noch er-
torderlichen Geldmittel. Die Bauführung übernahm wieder
wie bei der Lokalbahn Friedberg-Pinkafeld die Ver-
kehrsverwaltung.
Im Mai 1926 wurde mit den Bauarbeiten begonnen,
lie zum großen Teil an im Anziehungsgebiete der Bahn
ansässige Unternehmer vergeben worden waren. Im Juni
1927 war die Bahn vollendet und am 20. Juni erfolgte
hre feierliche Eröffnung durch den Bundespräsidenten.
Die betriebführenden Oesterreichischen Bundesbahnen
1aben noch am selben Tage den allgemeinen Verkehr
uf der Lokalbahn aufgenommen.
Ein weiteres Sorgenkind der Verkehrsverwaltung bildete
ler Torso der Lokalbahn Feldbach-Bad Gleichen-
‚erg. Den Mangel einer Bahnverbindung empfand der
uufstrebende weit über die Grenzen Oesterreichs
inaus bekannte Kurort Bad Gleichenberg seit
»her als ein schweres Hemmnis für den ihm gebüh-
‚enden wirtschaftlichen Aufschwung. Schon während
jes Krieges hat die Heeresverwaltung den Bau der
Zahn bis nach Bad GJ/eichenberg in Angriff genommen.
3is Kriegsende sind aber nur einige Kilometer Unterbau
ınd ein Kilometer Oberbau fertiggestellt worden. Wohl
yurde in der Nachkriegszeit zwischen Feldbach und Bad
Yeichenberg ein Kraftwagenverkehr eingerichtet, doch
‚ermochte er den Verkehrsbedürfnissen nicht in dem
Maße zu entsprechen, wie es im Interesse des Kur-
ırtes wünschenswert wäre. Das Land Steiermark trat
laher im Jahre 1926 an die Bundesregierung mit dem
\ntrage heran, auch für die Fertigstellung der Lokal-
yahn Feldbach-Bad Gleichenberg budgetäre Mittel zur
/erfügung zu stellen. Nach Sicherstellung der Geld-
nittel hat dann das Land mit der Ausführung der Bau-
ırbeiten das steiermärkische Landeseisen-
sahnamt betraut, unter dessen Leitung die Arbeiten
m Frühjahre 1927 aufgenommen wurden.
Die mit elektrischer Kraft zu betreibende, 21 Kilo-
meter lange Bahnlinie sieht auch die Einbeziehung des
an landwirtschaftlichen Erzeugnissen reichen, fruchtbaren
Zebietes von Gnas vor. Sie durchzieht ein ausge-
;prochenes Hügelland und ist ‚demzufolge insbesondere
Jurch bedeutende Erdarbeiten für die zahlreichen. oft
Lokalbahn Friedberg-Pinkafeld, Ausgangsportal des
Hodıistraßtunnels
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