Die Bedeutung des Wertproblems GY
er — scheint mir in die wogende Gährung endlich der lösende
Gedanke gebracht zu sein, von dessen fruchtbarer Entwicklung
die volle Klärung zu erwarten ist°.“
Im folgenden wollen wir versuchen, diesen „erlösenden Ge-
danken‘‘ einer gebührenden Kritik zu unterziehen; zunächst sei
jedoch folgendes bemerkt: Sehr oft weisen die Kritiker der öster-
reichischen Schule darauf hin, daß diese Wert und Gebrauchs-
wert vermenge, ferner, daß ihre Lehre eher ins Gebiet der
Psychologie als in das der politischen Oekonomie falle usw. An
und für sich ist dies richtig. Trotzdem darf man sich, wie es uns
scheint, nicht auf solche Erklärungen beschränken. Vielmehr
muß man zunächst sich auf den Standpunkt der Vertreter der
österreichischen Theorie stellen, das gesamte System in seinem
inneren Zusammenhang begreifen, und dann erst seine Wider
sprüche und Unzulänglichkeiten aufdecken, die aus den grund -
legenden Fehlern hervorgehen. So gibt es z. B. eine Anzahl
verschiedener Definitionen des Wertes. Die Definition Böhm-
Bawerks muß sich notgedrungen von der Marxschen unter-
scheiden. Es genügt aber nicht, schlechthin zu erklären, daß
Böhm-Bawerk das Wesen der Sache nicht treffe, d. h. er be-
handele überhaupt nicht das, was behandelt werden müsse; viel-
mehr muß gezeigt werden, warum man nicht so verfahren
darf. Ferner muß bewiesen werden, daß die von der betreffen-
den Theorie gemachten Voraussetzungen entweder zu wider-
sprechenden Konstruktionen führen, oder überhaupt eine Reihe
wichtiger ökonomischer Erscheinungen weder erfassen noch er-
klären.
Aber wo ist in diesem Falle der Ausgangspunkt für eine
Kritik überhaupt? Wenn der Wertbegriff selbst bei den verschie-
denen Richtungen völlig verschieden ist, d. h. wenn der Wert-
begriff bei Marx gar keine Berührungspunkte mit dem bei Böhm-
Bawerk hat, wie ist dann eine Kritik überhaupt noch möglich?
Hier kommt uns jedoch folgender Umstand zu Hilfe: Mögen die
Wertdefinitionen noch so verschieden, ja mitunter geradezu ent-
gegengesetzt sein, dennoch haben sie alle auch etwas Gemein-
sames, und zwar besteht es darin, daß der Wert als
Tauschnorm gedacht wird, daß der Wertbegriff zur Er-
klärung des Preises*® dient. Freilich, mit der Erklärung der
$-JbeS. 18.
° Die einzige Ausnahme bildet die Werttheorie von Struve, der den
Wert auf einen statistisch berechneten Preisdurchschnitt zurückführt. Doch
bedeutet dies in Wirklichkeit die Vernichtung jeglicher Theorie.
Bulgakow seinerseits wirft in seiner „Wirtschaftsphilosophie‘‘ Marx
vor, er habe das Problem der Arbeit und deren Rolle „von der prinzipiellen
Wa