industrie — wenn auch in viel geringerem Umfange — den eng-
lischen Fabrikherren gefährlich zu werden, und auf ihr Betreiben
ist es zurückzuführen, daß im Unterhaus ein Gesetz angenom-
men wurde, das die Arbeit für Kinder unter 7 Jahren verbietet
und auf 9 Stunden für Kinder unter 12 Jahren beschränkt. Eine
gefährliche Bundesgenossenschaft! Und die Tatsache, daß von
den Mindestforderungen, die die indische Arbeiterschaft im Jahre
1884 aufgestellt hat, bis heute nur ein kleiner Teil erfüllt ist,
genügt, um zu beweisen, wie wenig die Arbeiterschaft von den
Danaergeschenken der Kapitalisten zu erwarten hat, auch wenn
zeitweise eine Interessengemeinschaft vorzuliegen scheint.
Indien hatte seine größte Bedeutung für das englische Mutter-
land in der Zeit, da das Reich selbst noch im Anfang seiner
Kapitalisierung und Industrialisierung stand. Damals war die
erste Notwendigkeit: Kapital für das Inland zur Schaffung der
Industrie. Durch Ausbeutungswirtschaft, Ausfuhr von Gold;
Besteuerungen und Tribute wurden die großen „indischen Ver-
mögen‘ geschaffen, die das einheimische Kapitalbedürfnis be-
friedigten. Die zweite Phase setzte ein, als nicht mehr die
indischen Werte nach England strömten, sondern englische
Kapitalien in Indien angelegt wurden, um in Indien „das Gerüst
der europäischen Zivilisation zu unterhalten‘. Die in Indien an-
gelegten englischen Vermögen werden für das Jahr 1916 auf
390 Millionen Pfund geschätzt. Für die englischen Kapitalisten
hatten diese im Ausland in Tropenpflanzungen, in Baubetrieben
und Fabriken angelegten Kapitalien neben den „zivilisatorischen“
noch einige realere Nebenzwecke. Indien hat heute an die Aktio-
näre und Gläubiger des Mutterlandes jährlich rund 30000 000
Pfund an Abgaben zu zahlen. Das Land, das, wie Demangeon
feststellt, „von Grund auf und dauernd verschuldet ist‘, zahlt
seine Schuld in Waren. Wie es aber anfängt, den Wert seiner
Waren zu erhöhen, indem es zur Gründung von Standort-
industrien, schreitet, um mit Fertigwaren die Schuld an das
Gläubigerland zu decken, setzt eine neue Periode der kolonialen
Entwicklung ein: das in Indien investierte Kapital beginnt, sich
gegen die Kapitalisten zu wenden, die aus ihm ihren Nutzen
ziehen wollen; es verhindert den Aufstieg der Industrie des
Mutterlandes, Damit wird für die englische Arbeiterschaft kolo-
niale Betätigung zur größten Gefahr. Durch Verengerung des
einheimischen Arbeitsmarktes, infolge der Konkurrenz
ler überseeischen Arbeiterschaft werden ihr
Aufstieg und Arbeitskämpfe ungeheuer erschwert. -
Die indische Arbeiterschaft befindet sich heute in der gleichen
Situation, in der die englische Arbeiterschaft sich zu Beginn
des vorigen Jahrhunderts befand. Mit der Entwicklung der
Industrie geht die Verelendung der breiten Massen Hand in
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