Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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brennereien und später auch Zuckerfabriken entstanden. Auch nach den Berg- ste r 
'.öerfen strömte ein Teil dieses neuen Proletariats; aber die Bergwerke er- diese 
langten auch erst ihre Bedeutung durch das Aufblühen der großen Industrie i Kon! 
in den Städten. Dort miissen wir also den Ursprung des Kapitals suchen. ! 
Dort hatte schon seit alter Zeit das Handelskapital eine große Rolle j Han! 
gespielt. Der Handel beschäftigte von jeher fast nur freie Arbeitskräfte, und port 
gerade hier wurden oft ungeheure Vermögen erworben. Freilich dürfen wir j und 
nicht glauben, daß es beim Handel immer so zugegangen ist wie heute. Im I die 1 
Mittelalter und auch vielfach noch in späterer Zeit zog der Fuhrmann mit 1 hälti 
seinem Gespann auf der miserablen Landstraße dahin, bis an die Zähne be- könn 
-vaffnet, jederzeit auf räuberischen Ueberfall gefaßt. Und gewährten ihm i Zeit 
Adelige oder Städte Schutz, dann mußte er so viel dafür bezahlen, daß sich; selbs 
der Schutz von Raub oft nicht mehr so sehr unterschied. Noch schlimmer war; Die 
es zur See. Diese wimmelte von Seeräubern, und bei guter Gelegenheit! Pro! 
verwandelte sich auch der ehrbare Kaufmann in einen solchen. Kriege gab j fand 
cs ja fast immer, und begegneten sich Schiffe der feindlichen Parteien, so ! bald 
raubte das stärkere das schwächere aus. — ■ So t 
Sollte sich also der Handel rentieren, dann mußten die Preise so erhöht erdr' 
werden, daß alle Verluste und Gefahrei: dadurch wieder hereingebracht 
wurden. So suchten sich die Kaufleute an den Käufern schadlos zu halten, Kar! 
indem sie sie nach Kräften übervorteilten und plünderten. ! danr 
Wie arg diese Ausbeutung durch das Handelskapital war und wie 
schwer sie empfunden wurde, dafür ist bezeichnend, was der fromme Gottes-1 Frei 
mann Martin Luther über die Kaufleute seiner Zeit sagt. Diese hatten sich | gewi 
nämlich über die räuberischen Ueberfälle der Edelleute und die großen Ge-1 sich i 
jähren beim Handel beschlvert. Darauf antwortete Luther: „Weil solch groß I wuch 
Unrecht und unchristliche Dieberei und Räuberei über die ganze Welt durch j es d 
die Kaufleute, auch selbst untereinander geschieht; was ist Wunder, ob Gott, ein 
schafft, daß solch groß Gut mit Unrecht gewonnen, wiederum verloren oder! wen! 
geraubt wird und sie selbst dazu über die Köpfe geschlagen oder gefangen j Wer 
werden?" ; Hein 
„Na, davon hat uns der Herr Pastor im Konfirmationsunterricht I und 
nichts erzählt," sagte Wilhelm lachend. „Von der Seite haben wir den alten j als 
Luther nicht kennen aelernt. Aber da muß es wirklich schon ara aewesen sein." mög 
„Noch viel schlimmer aber," fuhr ich fort, „als die Ausbeutung der jfwi 
Käufer in der Heimat war die der fremden Völker, besonders in Asien, i oc „ t . L 
Afrika und Amerika, durch das Handelskapital." j 
„Ja, da habe ich einmal ein Buch über die Greuel gelesen," bestätigte | mi 
Karl, „die die Spanier in Amerika angerichtet haben. Das waren ganz ^ 
scheußliche Sachen. Der Verfasser des Buches bemerkte dazu, da sehe man die j m .i 
Roheit der Katholiken." ! 
„Na, in dem Punkt," erwiderte ich, „brauchen sich die Protestanten j trie! 
wirklich nicht mausig zu machen. Die Engländer haben in Indien, die Hol- ! keim 
länder in Südafrika und in Java gerade solche Scheußlichkeiten begangen ‘ 
wie die Spanier, die Portugiesen und Franzosen. Und daß die Deutschen ; um 
nicht besser sind, das haben sie jetzt in Afrika bewiesen. Alle diese Kaufleute | fähr 
wetteifern in der Ausplünderung der fremden Länder und Erdteile. An hat 
dem Geld, das sie von dort holten, klebte noch mehr Blut und Schmutz als i Zins 
an dem, das sie ihren Volksgenossen abzwackten; denn draußen begnügten beza 
sich die Kaufleute oft nicht damit, die Eingeborenen zu berauben, sondern rrge
	        
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