Kaskarille
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Katechu
oder Soda gelöst, nochmals mit Essigsäure ge
fällt und nach mehrfacher Wiederholung dieser
Arbeit durch Alkohol und Äther vom Fett be
freit und im Vakuum getrocknet. Es stellt
dann ein weißes, in Wasser nahezu unlösliches
Pulver dar, welches etwa 15 0/0 Stickstoff enthält
und durch Einwirkung von Ammoniak, Alkalien
und Kalk in lösliche Salze übergeführt wird.
K % findet in der Nahrungsmittelindustrie und
Technik ausgedehnte Anwendung. Von den
neuerdings als Kräftigungsmittel und zur Kran
kenernährung in großer Zahl angepriesenen
Nährpräparaten besteht Sanatogen aus
einem mit Glyzerinphosphorsäure löslich gemach
ten K., Nutrose ist lösliches Kaseinnatrium, Eu-
kasin lösliches Kaseinammonium. Die Technik
benutzt K. in Verbindung mit Kalk als Käse
kalk, Quarkleim, Caseogomme als Klebe
mittel, zur Herstellung von Kitten und Kasein
farben und in der Färberei zum Animali-
sieren. Durch letzteres nimmt Baumwolle und
Leinen die Eigenschaft an, sich Farbstoffen
gegenüber wie Wolle und Seide zu verhalten.
Kaseinnatrium dient als Anmache- und Befesti
gungsmittel von pulverförmigen, unlöslichen Far
ben, besonders Ultramarin.
Kaskarille (Cascarillenrinde, Croton-
rinde, graue Fieberrinde, lat. Cortex casca-
rillae, frz. Ecorce de Cascarille, engl. Cascarille
bark) stammt von verschiedenen kleinen, baum
artigen Wolfsmilchgewächsen der Gattung Cro-
ton, z. B. C. Eluteria, die im tropischen Amerika
heimisch sind. Die trockene Rinde bildet mei
stens gerollte, kurze, auch rinnenförmige Stück
chen, die außen grauweiß oder aschgrau, innen
rotbraun gefärbt und beiderseits mit zahlreichen
feinen, sich kreuzenden Rissen versehen sind
und auf dem Bruche hornartig, auf scharfem
Querschnitt harzglänzend erscheinen. Sie ent
hält ätherisches Öl, einen kristallinischen Bitter
stoff Kaskarillin, Gerbstoff, harzige und
gummiartige Bestandteile und hat einen bren
nend würzhaften bitteren Geschmack sowie aro
matischen Geruch, der beim Aufwerfen der
Rinde auf glühende Kohlen moschusartig wird.
Das abdestillierte ätherische Öl, das Kaska-
rillöl, riecht und schmeckt wie die Rinde. K.
findet als Tonikum sowie als Zusatz zu Zahn
pulver beschränkte medizinische Anwendung.
Häufiger benutzt man sie als Räucherpulver,
zu aromatischen Likören und zu Tabaksbeizen.
Kastanien (Maronen, frz. Chätaignes Mar
rons, engl. Chestnuts) sind die süßlich mehligen,
sehr nahrhaften Früchte des edlen oder echten
Kastanienbaumes (Castanea vesca), eines
Verwandten unserer Rotbuche, der aus dem
wärmeren Asien stammt, aber seit alten Zeiten in
Südeuropa heimisch ist. Die Früchte stecken zu
einer oder zweien, seltener zu dreien in einer mit
spitzen Dornen besetzten Becherhülle, die später
y ierklappig auseinandergellt und den Inhalt aus-
fallen läßt, werden aber schon früher gesammelt
oder mit Stangen abgeschlagen, von den Hüllen
durch Dreschen getrennt und in der Sonne ge
trocknet, auch zuweilen zur Zerstörung der
Keimkraft vorher abgebrüht. Sie enthalten etwa
3oo/ 0 Wasser, 8—90/0 Stickstoffsubstanz, 2 0/0
Fett, 30 0/0 Stärke. 23 0/0 stickstofffreie Extrakt-
Stoffe, je 3 o/ 0 Holzfaser und Asche. Wälder
artige Kastanienpflanzungen finden sich in
mehreren Gegenden Italiens, Spaniens, Portugals
und in Südfrankreich, namentlich in der Pro
vence und Languedoc, von wo die größten und
besten, sog. Maronen, in den Handel kommen.
Kleinere K. werden diesseit der Alpen im süd
westlichen Deutschland, in der Schweiz, Tirol,
am Rhein, Ungarn gezogen. Sie sind einseitig
abgeplattet, da sie immer nur zu zweien in
einem Becher stecken. In Mitteldeutschland
wächst der Baum zwar auch noch, bleibt aber
häufig ertraglos. Die, Früchte werden in der
mannigfachsten Zubereitung genossen, bei uns
nur als gelegentliche Zuspeise, während sie in
südlicheren Gegenden die Bedeutung eines wirk
lichen Volksnahrungsmittels haben, auch eine
vortreffliche Viehmast abgeben. Bei der Auf
bewahrung der K. ist Vorsicht nötig, da sie
leicht von Schimmel und Würmern angegangen
werden und im Frühjahr, wenn sie nicht kühl
und trocken gehalten werden, leicht keimen
und dadurch gänzlich verderben.
Kastanienextrakt, 1. Kastanienblätter
extrakt (lat. Extractum foliorum castaneae
vescae, frz. Extrait de chätaignes, engl. Extract
of chestnuts), der eingedickte wäßrige Auszug
aus den Blättern der Edelkastanie, wird als
Mittel gegen Keuchhusten empfohlen und ist in
die amerikanische Pharmakopoe aufgenommen
worden. 2. Kastanienholzextrakt, ein durch
Auskochen des Kastanienholzes mit Wasser
und Verdampfen bis zur Sirupsdicke erhaltenes
Erzeugnis, wird teils mit Eisensalzen zum
Schwarzfärben, teils zur Ausfällung pektin- und
stickstoffhaltiger Stoffe aus Rübenmelasse be
nutzt, die nach vorhergehender Gärung zur
Pottaschebereitung bestimmt ist. Häufig dient
K.-Holzextrakt auch zur Verfälschung von Blau
holzextrakt.
Kastanienholz, das gelblichbraune,, dunkel
schattierte Holz der echten Kastanie, ist dem
Eichenholz etwas ähnlich, aber oft rissig. Es
schwindet und quillt nicht, nimmt eine schöne
Politur an und wird als wertvolles Nutzholz
verwendet. Besonders gut eignet es sich zu
Faßstäben für Weinfässer, die von Italien nach
Frankreich und England ausgeführt werden. In
Oberitalien wird viel K. als Schlag- oder Unter
holz gezogen, da das hierbei erhaltene Stangen
holz sehr geeignet zu Hopfenanlagen und Wein
pfählen ist.
Kastorine, verschiedene ganz wollene, ge
mischte oder ganz baumwollene 'weichhaarige
Gewebe, welche der Klasse der Biber, Plü
sche, Velpel angehören. Auch ungeschnittener
Seidenplüsch ist darunter verstanden worden.
Katechu (Catechu, Cachou, lat. Terra cate-
chu seu japonica, frz. Cachou ouTerre dejapon,
engl. Cutch, Black catechu) besteht aus dem
eingetrockneten, wäßrigen Extrakt verschiede
ner, besonders zu den Akazien gehöriger
Bäume und Sträucher Ostindiens und wird je
nach der Abstammung in Akazienkatechu
oder Mimosenkatechu und Palmenkatechu
unterschieden. Vom Akazienkatechu kommen
zwei Hauptarten in den europäischen Handel;
1. Cutch, braunes K. oder Bombay-K, durch
Auskochen des Holzes der Acacia Catechu
und A. Suma gewonnen, bildet große Kuchen,