Eigenschaften M
sich einbilden, mehr für die Sache getan zu haben. Dies tun aber
törichterweise viele... Bei den Schriftstellern auf einem bestimmten
wissenschaftlichen Gebiete muß man die Fehler, die sie auf anderen
Gebieten machen, milder beurteilen, z. B. beim Theologen historische,
beim Historiker metaphysische. Es ist genug, wenn er in seinem Fache
tüchtig ist. Noch nachsichtiger beurteile man die sprachlichen Fehler“ usw.
Johann Michael Sailer führt in seiner Schrift: „Praktische Logik
für den Widerleger, alı den Verfasser der sogenannten Reflexion wider
die Demonstratio catholica“ (München 1780), welche er zur Verteidigung
seines Lehrers Benedikt Stattler gegen die anonymen Angriffe Wolfgang
Fröhlichs veröffentlichte, die folgenden Regeln jeder gesunden Wider-
legung auf: „Wenn du eine Schrift widerlegen willst, so fordert die
Logik von dir, daß du 1. diese Schrift ganz verstehst; 2. in dieser
Schrift Irrtümer entdeckt hast, Sätze, die der Wahrheit und nicht bloß
deiner Meinung zuwider sind; daß du 3. diesen Irrtum für erheblich
und einer Widerlegung wert finden kannst; 4. das Falsche und Un-
richtige dieser Sätze ganz offenbar dartuest und 5. so dartuest, daß
der Leser entscheiden kann, wer recht oder unrecht hat, und daß du
endlich 6. deine Widerlegung nicht gegen die Person, sondern.gegen
den Irrtum richtest. Diese Gesetze einer überlegten, sanften, brüder-
lichen Widerlegung finden in der ganzen Welt als gangbare Münze
ihren Kurs und sind von dem allgemeinen Menschenverstande dazu
gestempelt“ (p. 4 bei &. Aichinger, J. M. Sailer [Freiburg 1865] p. 52).
In derselben Schrift gibt er dem Gegner, mit dem er wie mit
seinem Bruder redet, folgende auch heute noch praktische Mahnung:
„Warum, lieber Bruder, untersuchst du nun Stattlers Gedanken von
der Menschwerdung und von den Sakramenten, da du eine Wider-
Jegung gegen sein Buch von der Kirche Jesu Christi schreibst? Stattler
hat über die Menschwerdung ein ganzes, über die Sakramente wieder
ein besonderes Buch geschrieben. Dort also müssen sein Urteile über
diese Gegenstände aufgesucht werden, wo sie mit Absicht untersucht
und beleuchtet sind. Und du lässest diese Denkmäler seiner scharf-
sinnigsten Untersuchungen unberührt und schnitzelst seine Meinungen
über diese Gegenstände aus einem Buche heraus, wo sie höchstens im
Vorbeigehen, soviel es zur Hauptabsicht taugte, behandelt werden
durften. Wenn du nun im dem Buche von der Kirche Jesu Christi
nicht alles findest, was sich von der Ankunft Jesu Christi in der Welt,
von den Wirkungen der Erbsünde und von der Kraft der Sakramente
sagen lässt, so bläsest du mächtig ins Kriegshorn, ad arma, und
schreist: Seht da den Mann, der in den wichtigsten Wahrheiten von
der Lehre der Väter abweicht! Gerade als wenn ich aus Ciceros Reden
gegen den Verres seine ganze Philosophie herausbringen, und was nicht
darin steht, ihm als einen Unphilosophen zum Nachlesen aufdringen
wollte. Würde nicht jeder lateinische Schulmeister in die Faust lachen
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