S25 Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw.
einen Damm zu setzen, sind mißlungen, weil man das hier Vorliegende
Problem nicht richtig erkannte und auch sonst die Voraussetzungen
für eine richtige Behandlung des Problems noch nicht vorhanden waren.
Erst der neueren Zeit ist es gelungen, dieses Problem, das in der Auf-
rechterhaltung eines unveränderten Metallgehalts des Geldes besteht,
und das wir als das ‚Problem der Unveränderlichkeit des Geldes“
bezeichnen können, zu einer befriedigenden Lösung zu führen.
Zweitens hat man es in älterer Zeit nicht vermocht, die aus dem-
selben Metalle in verschiedenen Wertgrößen ausgeprägten Münzen in
ein einheitliches System zusammenzufassen. Es liegt in der Natur der
Münzen,.daß sie, um die Bedürfnisse des Verkehrs zu befriedigen, in ver-
schiedenen Nennwerten, die in gewissen einfachen Verhältnissen zu-
einander stehen, ausgeprägt werden müssen. Diese ungleichen Münzen
desselben Geldes wurden aber im Laufe der Zeit in verschiedenem Grade
verschlechtert, so daß die ursprünglichen: Wertverhältnisse unter ihnen
verändert wurden und sich fortan als variable herausstellten. Da-
durch zerfiel das ursprünglich einheitliche Geld in selbständige ‚„,Sorten‘‘.
Auch dieser Nachteil war offenbar mit dem Übergang zur Münz-
prägung verbunden, denn beim Gebrauch des ungeprägten Metalls
bleibt doch immer ein Hundertteil eines gewissen Gewichts des Metalls
eben ein Hundertteil. Dem Zerfallen des Geldes entsprach natürlich
auch ein Zerfallen der Preisskala in verschiedene selbständige Preis-
skalen, unter denen keine feste Relation aufrechterhalten werden
konnte. Auch auf diesem Gebiete hat man sich lange vergebens bemüht
Besserung zu schaffen.
Eine ähnliche Schwierigkeit hat der Gebrauch von geprägten
Münzen gemeinsam mit dem Gebrauch von ungeprägtem Metall. Diese
Schwierigkeit besteht darin, daß verschiedene Metalle nebeneinander
als Zahlungsmittel Verwendung finden und auch bei der Notwendigkeit
die verschiedensten Geldsummen darstellen zu können Verwendung
finden müssen. Die Münzen, die aus verschiedenen Metallen geprägt
werden, sollten offenbar, um in ein einheitliches Geldsystem eingefügt
werden zu können, in einem festen Wertverhältnis untereinander stehen.
Wenn aber die Metalle selbst das nicht tun, kann man, wie die Er-
fahrung gezeigt hat, die feste Wertrelation zwischen den Münzen nicht
ohne besondere Maßregeln aufrechterhalten: es gelingt nicht, Münzen
von verschiedenen Metallen in einem einheitlichen Geldsystem zu ver-
einigen.
Die beiden letztgenannten Schwierigkeiten sind erst in der neueren
Zeit durch die Lösung des großen Problems, das wir als das „Pro-
blem der einheitlichen Währung‘ bezeichnen können, beseitigt,
Dieses Problem hat nach dem Gesagten zwei Seiten, je nachdem man
nur ein Münzmetall oder mehrere in Betracht zieht.
Die Fortschritte auf dem Gebiete des Münzwesens waren in älteren
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