97
bensmittel (z. B. Schlachtvieh, Wein) am besten
gedient. Die Industrie dagegen hat ein Interesse
an wohlfeilen Nahrungsmitteln; eine teure Lebens
haltung treibt die Arbeitslöhne und damit auch bett
Preis der Fabrikate in die Höhe und erschwert
den Wettbewerb mit der ausländischen Industrie.
Gleich den andern Industrieländern muß auch die
Schweiz in den Zollverträgen die einander wider
sprechenden Forderungen der Landwirtschaft und der
Industrie berücksichtigen.
Die Industrie unseres Landes beschränkt sich T.;c„traii-
nicht auf wenige, große Fabrikstädte. Sie hat ihren
Weg auch auf das Land und in die entlegenen
Gebirgstäler hinein gefunden. Hier sind die Boden
preise niedriger, Lebenshaltung und Arbeitslöhne
meist billiger als in der Stadt. Nicht selten be
stimmt auch die Wasserkraft eines Baches den Ort
einer Fabrikanlage. In einzelnen Jndustriegegenden
steht beinahe in jedem Dorf eine Fabrik, so im Ge-
biet der jurassischen Uhrenindustrie. Eine solche Dcrbmdu»«,
Dezentralisation macht es vielen Arbeitern möglich, “
nebenher noch Landwirtschaft zu treiben, als Neben
verdienst und als Gegengewicht zur einseitigen Be
rufstätigkeit. Die Verbindung von Landwirtschaft
und Industrie wird zur Regel in einzelnen Haus
industrien, wie Stickerei, Band- und Seidenweberei.
In den beiden letztgenannten Zweigen kehrt sich
das Verhältnis geradezu um: Die Landwirtschaft
ist Hauptberuf, die Weberei nur Nebenverdienst
und liegt der Frau und den Töchtern des Hau
ses ob. Der Bauer sieht diese Hausindustrie nicht
ungern; die Töchter bleiben in der Familie und sind
der Notwendigkeit enthoben, ihren Unterhalt in der
Stadt zu suchen. In den Zeiten der dringenden
Landarbeit helfen sie als billige und zuverlässige
Arbeitskräfte aus und kehren nachher wieder zum
Webstuhl zurück. Flauer Geschäftsgang macht meist
Wickiger, Schweiz
7