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TÜRKEI. — Finanzen.
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hobenen Verghi Personalsteuer) 22,715; Kosten der cirkassischen Einwanderung
50,000; — zusammen 166,512. — Total 3’205,672.
Diese ganze Aufstellung beruht aber wesentlich auf Fiction. Der
Finanzminister selbst anerkennt, dass ein grosser Theil der Einkünfte
erst im nächstfolgenden Jahre eingehen werde. Unzweifelhaft umfasst
der türkische Staat eine ungemeine Fülle natürlicher Reichthümer. Aber
die Uncultur der Bevölkerung weiss sie nicht nutzbar zu machen und es
fehlt durchaus an Ordnung im Staatshaushalte. Alle Budgets schliessen
mit Ueberschüssen ab, und doch braucht man jedes Jahr grosse neue
Anlehen. Es erschwert der Hass unter den verschiedenen Nationalitäten
und Religionen ein gesundes Emporblühen dqp Gemeinwesens. Aller
dings konnte der türkische Finanzminister in einem Berichte vom Sept.
1855, also während des Kriegs, hervorheben: Die Pforte hat in den 28
Monaten vom 27. Mai 1853 bis 27. Sept. 1855 für ausserordentliche
Kriegsausgaben ir2UO,000 £ aufgewendet, und dies bestritten ohne
neue Auflagen oder Steuern, und ohne Unterstützung Europa's, ausser
2 Vj Mill. £ aus der ersten englischen Anleihe, und 600,000 £ Vorschuss
auf die zweite. (Der Charadj ward sogar aufgehoben, gegen Verpflich
tung der Rajahs zum Kriegsdienste.) Seitdem sind aber Schulden und
neue Auflagen um die Wette entstanden.
Schuld. Das erste fönnliche Staatsanlehen ward nicht früher als im
letzten Kriege , 1851 , aufgenommen, allein seitdem folgte ein Anlehen
auf das andere :
A. Auswärtige Schuld.
1) Anlehen von 1854, 3 Mill, jf, zu 6%, unter Verpfändung des Tributs
von Aegjpten, angebl. nur zu 82% abgesetzt. 2) Weiteres 4proc. Kriegsan-
lehen von 5 Mill. unter Garantie von England und Frankreich , angebl. zu
102'/, % untergebracht. 3) Drittes Anlehen zu 5 Mill, , vom Mai 1858, zu
6% verzinsl., mit 2®/o Provision an die Uebemehmer, ausgegeben zu 85, unter
Verpfändung der Zolleinkünfte von Constantinopel. Ein Anlehensversuch im
J. 1859 scheiterte vollständig, obwol 8 % Zinsen geboten wurden. Dann über
nahm aber 4, der bekannte Mires im October I860 ein Anlehen, bestehend aus
800,491 Obligationen, ausgegeben zu 312'/, Fres, und einlösbar zu 500 Fres.
Obwol der Zinsertrag sich auf mehr als 9®,, stellte, wurden nur 101,800 Obliga
tionen abgesetzt, sonach für 31’817,500 Fres, nominell für 50,900,00(1 p'res. =
2’036,000 jf). 5 6®/o (l)evaux’sche) Anleihe vom März 1862, 8 Mill. in
23'/, Jahren rückzahlbar, zu welchem Behufe ein Tilgungsfonds von 2% ge
bildet wird ; die Anleihe ward zur Consolidirung der schwebenden Schuld und
zur Tilgung des Staatspapiergeldes bestimmt, und den Gläubigem sind die Er
trägnisse des Tabaks- und Salzmonm)ols sowie des Stempels und der Licenzen
verpfändet. Gleichwol betrug der Emissionspreis nur 68, oder rtelmehr 66'%.
6) 6% Anlehen von 1863 und 64, zus. 8 Mill, bei der türkischen Bank. Die
Scheine von 500 Fres, wurden zu 340 abgegeben, sonach mit einem \erluste
von 32®% ! Ziehen wir nun auch ungefähr 1 '/, Mill, jé' ab, welche auf die frühem
Anlehen bereits abgetragen sein mögen, so stellt sich die in 11 Jahren»con-
trahirte auswärtige Schuld auf mindestens 29 Mill. Pfd. Sterl. = etwa 192
Mill. pr. Thlr.
B. Innere Schuld. Piaster
1) 6®/a consolidirie in 24 Jahren rückzahlbar Essams-Dieddidés) 250 Mill.
2) 6"% Schatzkammerscheine, in 14 J. rückzahlbar Hasné-Tahvili) -280
3) 6®/„ Schatzobligationen Serghis, 430
4) Renten Essams-Mamtuzes) p
5) Schulden verschiedener Art, meist bei Griechen aufgenommen 634
6) Schwebende Schuld 5^
Zus. 17’750,000 Jf) 2219