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TÜRKEI. — Militär.
Im Gegensätze zu andern Staaten, in denen man Anlehen aufnahm
zur Beseitigung des Papiergeldes und dann den Ertrag der Anlehen für
andere Zwecke verbrauchte, hat die Türkei allerdings das auf 99’880,000
Piaster angewachsene Staatspapiergeld (die Calmés) aus der Circulation
glücklich entfernt und die Metallwährung wieder hergestellt. Indess
ist eben eine nachweisbare Schuldmasse von wenigstens 40% Mill. JC =
310 Mill. Thlr. entstanden; andere Berechnungen steigen auf 54 Mill. £.
Das Jahr 1864 schloss mit einem auf 277,000 Beutel berechneten Ausfall,
ungerechnet die auf 450,000 Beutel geschätzte schwebende Schuld.
Es ist augenscheinlich , dass in der bisherigen Art nicht fortgewirthschaftet
werden kann, hei welcher namentlich der Betrag jeder neuen
Zinszahlung durch ein neues Anlehen unter den drückendsten Bedingungen
aufgebracht werden muss. Von dem grossen Schatze früherer
Zeit ist längst nichts mehr vorhanden. Schon 1776 entstand eine Art
Staatsschuld, übwol Griechenland über 12% Mill. Drachmen an die
Pforte bezahlen musste, vermochte es diese doch nicht, die im Andrianopeler
Frieden dem Czaaren versprochene Kriegscontribution von 10 Mill.
Ducaten zu erschwingen ; der russische Kaiser schenkte der Pforte diese
Schuldsumme. — Auf das nun beseitigte Papiergeld wurden während
des russischen Krieges 30—40 Proc. verloren.
Militär. Seit 1843 ward, nachdem einige frühere Versuche gescheitert,
mit Organisirung der Landmacht nach franz.-preuss. Vorbilde begonnen,
doch ist dieselbe noch keineswegs vollständig durchgeführt. Die
Bildung des Heeres geschieht, ausser freiwilligem Eintritte, durch Aushebung
und Losung. Dienstzeit: 5 Jahre im activen Heere, dann noch
7 in der Reserve. — Organisation :
I. Active Armee [Nizam], 6 Armeecorps (Ordü), jedes mit 2 Divisionen
oder 6 Regim. Infanterie, 4 Cavallerie und 1 Artillerie. Ausserdem 4 detaschirte
Divisionen. (Das Infant.-Regim. hat 4 Bataill. zu 8 Comp., und.etatsmässig
:i2()U, in Wirklichkeit etwa 2800 M. ; das Cavallerie-Reg. 6 Schwadr. [2 Jägerund
4 Lanciers-] mit 736 resp. 934 M.) Im Ganzen höchstens 148,000 Mann,
nomlich :
36 Regim. Infanterie . . 100,800 2 Regim. Genie .... 1,600
24 - Cavallerie . ., 17,280 8 - detaschirte Corps 16,000
10 - Artillerie . 13,000
II. Reserve [Itedif, Landwehr); ebenso eingetheilt wie die Linie und auf
dem Papiere ebenso stark ; — in Wirklichkeit nicht vollständig organisirt.
III. Contingente der dem Nizam noch nicht unterworfenen Provinzen
und der halbsouveränen Staaten. — Aegypten besitzt ein nach europäischer Art
gebildetes Heer von etwa 15,000 früher 40,000) M. Dazu die Contingente von
Überalbanien mit etwa 10,000, Bosnien 30,000, Serbien 20,000, der Donaufürstenthümer
7000, und von Tunis und Tripolis 10,000; zusammen etwa 100,000.
IV. Irreguläre Truppen, geschätzt auf 80,000 M (ohne bes. Werth).
Nach einem türk. Ministerialberichte betrug die wirkliche Stärke
der türk. Armee im letzten Kriege :
Nizam (Linie): Redifs (Landwehr.):
Infanterie (sammt Garde) . . 72,180 Infanterie 92,650
Cavallerie'und Artillerie . . 22,737 Cavallerie 11,177
Festungsartillerie u. Reserve 10,408 Zug. (7741 engl. Solde) 103,827
Zus. (2259 in engl. Solde) 105,325 Dazu mobile Miliz .... 7,741
Bekannt ist, dass sich die türk. Truppen im letzten Russenkriege
wiederholt sehr gut schlugen, so bei Kalafat, Olteniza , und besonders