Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Die begrenzte Reichweite des Genossenschafts- 
gedankens in der Gütererzeugung. 
Der Wesensunterschied zwischen genossenschaiftlicher 
Gütererzeugung und Güterverteilung. 
Von Universitätsprofessor Emil Wehrle, Karlsruhe, 
Wenn man von genossenschaftlicher Gütererzeugung 
spricht, denkt man wohl in. erster Linie an jene Produk- 
tivgenossenschaften, die, schon “auf Robert Owen zurück- 
gehend, immer wieder als Lösung der sozialen Frage ge- 
priesen werden, oder an „die freiwillige Assoziation des 
Arbeiterstandes als seinen eigenen Unternehmer‘ — wie sie 
sich Lassalle gedacht hatte — oder ‚an die 
Handwerkerproduktivgenossenschaf- 
ten, wie sie im Programm von Schulze-Delitzsch 
standen. Die Mitglieder stellen im gemeinsamen Betriebe 
die Produkte her, die auf Rechnung der Genossen verkauft 
werden bzw. die von Mitgliedern eingelieferten Roh- 
stoffe oder Halbfabrikate werden verarbeitet und dann 
verkauft. Die Gründe für den Mißerfolg dieser Genossen- 
schaftsart sind bekannt und in jedem volkswirtschaftlichen 
Lehr- und Lesebuch kann man sie aufgezählt finden wie folgt: 
Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung. 
Schwerfälligkeit in der Anpassung an die 
Marktmöglichkeiten, dann die menschlichen 
Unzulänglichkeiten, wie sie einer durch Gleich- 
berechtigte auszuübenden straffen Betriebsdisziplin ent- 
gegentreten, schließlich die gerec hte.Lohnzutei- 
lung usw. Inwieweit etwa die Bauhüttenbewegung eine 
andere Beurteilung rechtfertigt, läßt sich heute noch nicht 
feststellen. 
In Deutschland ging die genossenschaftliche Bewegung 
sowohl der breiten Massen als auch des gewerblichen und 
Jandwirtschaftlichen Mittelstandes ganz andere Wege, die 
zur Aufnahme‘ der: genossenschaftlichen 
Güterverteilung führen. Die KonsumgenoSssen- 
schaften nehmen einen raschen und dau- 
ernden Aufschwung, in der Mittelstandsbewegung 
sind es vor allem die ländlichen und gewerblichen Ein- und 
Verkaufsgenossenschaften, nicht zu vergessen die Kredit- 
genossenschaften, die in diesem Zusammenhange 
jedenfalls als Verteilungsgenossenschaften 
angesehen werden können. 
In neuerer Zeit tritt der Gedanke: die Genossenschaft 
zu einem 
hesanderen Organ in der Gütererzeugung 
zu machen, wieder in den Vordergrund, allerdings nicht. in 
der Form, daß die Genossen selbst produzieren, sondern die 
Genossenschaft wird Träger und Halter 
von Produktionsbetrieben, sei es für Eigen- 
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