Object: Kann das Geld abgeschafft werden?

verhöhnt, indem er es „eine schimpfliche Rolle spielen‘, es zur Anfertigung 
von Sklavenfesseln und MNachtgeschirren verwenden läßt‘ (Stillich); 
weiter in Campanellas „Sonnenstaat‘ (1611) und Andreaes „Chri- 
stianopolis‘ (17. Jahrhundert). Zu bewußter praktischer Durchführung 
gelangt sind die kommunistischen Grundsätze zuerst im Tesuitenstaat von 
Paraguay (1638—1773). 
Das Wesen des Kommunismus als verkehrsloser und dem- 
zufolge (vgl. das vorige Kapitel) auch geldloser Wirtschaft läßt 
sich kurz in folgendem charakterisieren: Es besteht ein ge- 
schlossener Wirtschaftskreis. Der Umfang ist theoretisch gleich- 
gültig; es kann die ganze Welt in ihm einbegriffen sein oder auch 
bloß ein kleines Landgebiet mit seinen Bewohnern. Wesentlich ist 
nur, daß die Wirtschaft „autark“ vorgestellt ist, d. h. ein Wirt- 
schaftsverkehr nach außen, der zur Marktproduktion nötigen 
würde, nicht erforderlich wird; eine Bedingung, die auf die Dauer 
allerdings nur in der Weltwirtschaft erfüllt werden dürfte. Das 
zweite Wesensmerkmal ist das Fehlen jeglichen eigenen Wirt- 
schaftens der Glieder der Gesellschaft; wirtschaftlich erhebliche 
Güterübertragungen kommen hier nicht vor. Denn entweder 
reichen die Vorräte des Gemeinwesens nicht zur Deckung des 
gesamten Bedarfs aus, — dann muß jeder Person ihr Teil zuge- 
wiesen werden, und niemand hat einen nennenswerten Überschuß 
abzugeben; oder es sind alle Verbrauchsgüter ausgiebig vorhanden, 
— dann kann sie jeder „nach seinen Bedürfnissen“ ohne Rück- 
sicht auf die anderen entnehmen und hat so erst recht keine Ver- 
anlassung, irgendwelche Güter im Tauschwege zu erwerben. Aller 
Wirtschaftsverkehr im Sinne von Tausch, Kauf, Leihe 
hört also hier auf. Damit entfällt für das Geld jede Möglich- 
keit, eine Rolle zu spielen; in der kommunistischen Wirtschaft 
hat es keine Stätte. 
Daß in der russischen Sowjetwirtschaft das Geld noch beibehalten ist, 
erklärt Bucharin für eine Übergangserscheinung: „Eben in diesem 
Augenblick braucht die Arbeiterregierung Geld und braucht es sogar sehr, 
weil die Organisation der Produktion und Verteilung erst beginnt, 
in Ordnung gebracht zu werden, und das ‘Geld noch eine sehr große Rolle 
spielt‘“ (S. 62); „man muß jedoch bemerken, daß die Bedeutung des Geldes 
überhaupt immer mehr fällt, je besser das Werk der Organisation der Pro- 
duktion nach neuen Arbeiterprinzipien von statten geht... Es vergeht viel 
Zeit, bis man das alles organisieren, ordnen, einrichten kann. Das ist ein 
neues, nirgends in der Welt dagewesenes und daher besonders schweres Werk, 
Aber eins ist klar: je mehr die Arbeiter sich der Precduktion und der Vertei- 
lung des Produkts bemächtigen, desto geringer wird die Notwendigkeit des 
Geldes, und schließlich wird das Geld allmählich ganz aussterben“ 
'S 60/611.
	        
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