Kapitel IV. Friedrich List und die nationale Volkswirtschaftslehre. 303
Laws“ den Produkten der deutschen Landwirtschaft, wie denen der
deutschen Industrie seinen Markt. Zwei andere Nationen, die wie
Deutschland zu einer großen wirtschaftlichen Zukunft berufen waren,
zeigen ihm den Weg: Frankreich und die Vereinigten Staaten. Durch
die Ergebnisse des Eden-Vertrages (1786) über die verderblichen
Wirkungen der englischen Konkurrenz belehrt, beeilt sich das erstere
Land, sofort nach den napoleonischen Kriegen seine Grenzen durch
Schutzzölle zu schließen. Noch bezeichnender ist das Beispiel der
Vereinigten Staaten, dessen Lage in so vieler Hinsicht mit der
Deutschlands vergleichbar war. Auf beiden Seiten eine soeben erst
erworbene wirtschaftliche Selbständigkeit, ein Überfluß an natürlichen
Hilfsquellen, ein großes Gebiet, eine gebildete und fleißige Be
völkerung und die Aussicht auf eine große politische Zukunft. Die
erste Sorge der Amerikaner, als sie sich frei gemacht hatten, war
die, eine Industrie ins Leben zu rufen, und zu diesem Zweck das
Eindringen der englischen Waren durch Schutzzölle hintanzuhalten.
So besteht überall die gleiche Gefahr: das tyrannische Übergewicht
Englands, und überall wird die gleiche Verteidigungswaffe an
gewendet: der Schutzzoll. Soll nur Deutschland sich dieses Abwehr-
Mittels nicht bedienen?
Das ist der Grundgedanke von List’s Ausführungen.
Aber diese nur auf das praktische gerichteten Anschauungen
List’s widersprachen den wohlbekannten Argumenten der Volks Wirt
schaftler, die er unter dem Namen „die Schule“ zusammenfaßt. Diese
Schule sagt: ein Volk muß ebenso, wie ein Individuum, seine Bedürf
nisse auf dem billigsten Markt decken; es muß sich auf die Erzeug
nisse beschränken, für die es die meisten relativen Vorteile besitzt;
mich wächst die Industrie nur mit den Kapitalien; da nun der
Schutzzoll das Leben verteuert, so verzögert er die Ansammlung von
Kapitalien und widerstreitet seinem eigenen Zwecke.
Um diese Einwürfe zu widerlegen, mußte man, anstatt einen
nach dem anderen vorzunehmen, die ganze Diskussion auf einen
neuen Boden übertragen. Die „Schule“ nahm ein gewisses handels
politisches Ideal als gegeben an: in jedem Augenblick den gegen
wärtigen Reichtum, oder wie es List recht ungeschickt ausdrückt,
»die Summe der Tauschwerte“ vermehren, die eine Nation verbrauchen
kann 1 ). Dieser grundlegende Gesichtspunkt mußte geändert werden,
) Der Ausdruck „Tauschwert bezeich “ eb enb u ckspro flt. Es ist nicht besonders
der gegenwärtigen Vorteile, der materielle Augen kP^ ^ nehmen uud ihm zll
glücklich, doch würde es unrichtig sein ’ ’ h f a „ lugersoll, S. 186, drückt
viel Bedeutung beizulegen. Denn in deni Bn { | r die Schu l e Smith’s der
er genau den gleichen Gedanken ans, indem ei sa„t, po . P „ aT , rtereGeo-en-
Zweck ist; „Gegenstände durch den Austausch gegen andere Gegen