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Textilindustrie durch die mechanischen Spinnmaschinen und Webestühle
in einen ganz anderen Betrieb hineingedrängt wurde, durch welche
der Handarbeiter mehr und mehr um seine bisherige Thätigkeit gebrachtist.
Dies übertrug sich allmählich auf andere Branchen, bei den nächstliegenden
durch die Erfindung der Striek- und Wirkmaschinen. Demnächst
wurde die Papierfabrikation, die Verarbeitung der Metalle in die
yleiche Richtung durch Erfindung einer grossen Zahl von Maschinen
hineingezogen, und schliesslich blieb kaum ein Handwerk, abgesehen
von den Dienstgewerben, durch die Erfindung neuer Maschinen oder
neuer Gewerbsmethoden unberührt. Dadurch war der Anlass und die
Handhabe geboten, um den Kleinbetrieb in Grossbetrieb zu verwandeln,
wobei mit einer geringen Zahl von Arbeitskräften durch Zuhilfenahme
von Maschinen viel billiger, viel schneller und viel mehr produziert
werden konnte als bisher. Die Wirkung der Maschinen wurde aber in
der bedeutsamsten Weise durch neue gewaltige Motorkräfte gefördert,
vor Allem durch die Verwertung der Dampfkraft. Durch ihre Ver-
mittlung vermag man durch ein Kilogramm Steinkohle die Tagesarbeit
eines kräftigen Mannes zu leisten. Jetzt werden in Deutschland gegen
120 Millionen Tonnen Steinkohlen verbraucht, und durch Dampf-
maschinen wird hier eine Arbeit vollbracht, die der von etwa 60 Milli-
onen Menschen gleichkommt. Mit zwingender Gewalt musste dadurch
das Gewerbe in ganz andere Formen gebracht werden.
Zwei Umstände waren es aber, welche die Ausbildung des Gross-
betriebes in besonderer Weise begünstigten, einmal wie erwähnt, die
Entwicklung der Kreditwirtschaft, welche die Konzentrierung er-
heblicher Kapitalien zu einem einzelnen Unternehmen wesentlich er
leichterte. Wir erinnern vor allem an die Form der Aktiengesell.
schaften, welche in der neueren Zeit eine früher nicht geahnte Bedeu-
tung gewonnen haben. Auf der anderen Seite brachte das Zeitalter
des Dampfes eine Verbesserung der Kom unikationsmittel, welche
in bezug auf Schnelligkeit, Billigkeit und Exaktheit des Transportes
dem wirtschaftlichen Leben ganz andere Aufgaben zu stellen vermochten,
und dadurch, dass sie sich in verhältnismässig kurzer Zeit in den
Dienst Aller stellten, sowohl für das Leben des Einzelnen, wie für die
Entwicklung der Gesamtheit die höchste Bedeutung gewannen. Durch
die Herstellung von Kanälen, welche namentlich in England. und Frank-
reich besonders in dem 18. Jahrhundert zum Ausbau gelangten, war
schon eine wesentliche Erleichterung des Binnenverkehrs geschaffen.
Seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts griff die Anlage von Kunst-
strassen, hesonders Chausseen mehr und mehr um sich, welche das
[nnere des Landes, namentlich in dem grossen Landkomplex von
Deutschland in bedeutsamer Weise erschlossen. Aber was sind diese
Verkehrserleichterungen gegen die, welche die Eisenbahnen zu bieten
vermochten. 1840 gab es in Deutschland erst 469 km. Schienenstränge, in
zanz Europa erst 3103, 1900 in Deutschland gegen 50 000 km, in Europa
[898: 265000 km. Das einzelne Land ist nun durch ein engmaschiges
Netz von Haupt- und Nebenbahnen durchzogen, welches alle Teile
des Landes miteinander verbindet und in Beziehung zu den Haupt-
marktorten bringt, während die grossen durchgehenden Bahnen den
internationalen Austausch vermitteln und die entlegensten Gegenden in
den Weltverkehr hineingezogen haben. Eine wesentliche Ergänzung erfuhr
Kredit.
Verbesserte
Kommuni-
irationsmittel.