Full text: Money

Die Männerbünde und Berufsorganisationen. 
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schenke. Keine andere Organisation mit Ausnahme des Staates ist eines 
solchen Machtbewußtseins und einer solchen Machtbetätigung fähig wie 
der Männerbund. Denn er verbindet Stärke der Zahl mit Tatendrang 
und der inneren Stärke, die sich aus der Reibungslosigkeit und Gleich- 
artizkeit der beteiligten Personen ergibt. 
Über die zurzeit mangels der erforderlichen Spezialuntersuchungen nicht be- 
antwortbare Frage, welche Rolle etwa die Homoerotik in den Männerbünden spielt, 
vergleiche die Bemerkungen $ 15,,. Soweit solche Beziehungen wirksam sein sollten, 
würden dabei auch die Gegensätße zwischen Jugend und reiferem Alter vielleicht mit- 
sprechen; alsdann wäre das über das Fehlen der Unterschiede des Alters Gesagte 
entsprechend einzuschränken. | 
Hans Blüher, der derartige Zusammenhänge behauptet und zunächst an unserer 
eigenen Jugend feststellen zu können glaubt, hat auch allgemein unsere in der Jugend- 
bewegung begriffene Jugend den Jugendbünden primitiver Kulturen als verwandt 
hingestellt. Übereinstimmungen bestehen ohne Zweifel mindestens in den seelischen 
Grundlagen. Dahin gehört die stark betonte Abkehr vom Familienleben und der 
mütterlichen Autorität, während freilich die moderne Abkehr von der Autorität der 
älteren Generation schlechtweg einen Gegensag bildet; ebenso der Unternehmungs- 
geist und Tatendrang, der bei uns freilich ins Geistige und ins Bereich der Reform- 
bestrebungen verschoben und über das Planen kaum hinausgekommen ist. 
2. Reibungslosigkeit und Gleichartigkeit der beteiligten Personen 
zeigen auch die den Männerbünden verwandten modernen Be- 
rufsorganisationen, die unser ganzes heutiges Leben von den 
Gewerkschaften der Arbeiter an bis zu denjenigen der höheren Berufe 
wie der Lehrer und Richter durchziehen und in der mannigfachsten Weise 
schon vor dem Kriege beeinflußten. Von den bisher betrachteten Formen 
der Männerbünde unterscheiden sie sich vor allem nach zwei Richtungen. 
Erstens bilden sie keine Lebensgemeinschaften, sondern nur noch Zweck- 
zemeinschaften: ein unmittelbarer sinnlicher Zusammenhang tritt nur 
noch zeitweilig ein bei den Versammlungen in Gestalt der Vereinssit- 
zungen oder Kongresse. Zweitens nimmt verglichen mit den bisher be- 
trachteten Formen im Gemeinschaftsleben die Sphäre des Ernstes und 
der Arbeit gegenüber derjenigen der Zerstreuung und der Geselligkeit 
einen viel größeren Raum ein. Die Gemeinschaft bezieht sich vor allem 
auf das Bestreben, die Erwerbs- und Berufsverhältnisse, zum Teil auch 
die gesamten damit verbundenen Lebensverhältnisse zu bessern, und 
zwar besonders nach drei Richtungen hin. Erstens auf dem wirtschaft- 
lichen Gebiete. Zweitens auf dem gesellschaftlichen Gebiete in zwei Rich- 
tungen: einerseits handelt es sich um die Stellung der betreffenden Be- 
rufs- oder Erwerbsklasse gegenüber dem Publikum, anderseits evt. um 
Ermäßigung der inneren herrschaftlichen Struktur. Endlich kommt beson- 
ders bei den höheren Berufen die innere Seite der Arbeit, nämlich ihre 
Art und ihr Inhalt in Frage, z. B. die Methoden der Erziehung und des
	        
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