Full text : Money

Das  Reich  müßte  zunächst  120  Millionen  Mark  für  den  Ankauf
der  Anteilscheine  aufbringen.  Da  eine  Schwächung  des  Reservefonds
bei  dem  Umfang  des  Geschäftsbetriebes  der  Reichsbank  und  ihrer
starken  Kapitalanlage  in  Gebäuden  und  Grundstücken  (Ende  1897
etwa  33  Va  Millionen  Mark)  nicht  angängig  erscheint,  müßten  zur
Ergänzung  des  zur  Hälfte  den  Anteilseignern  zufallenden  Reservefonds ­
  weitere  15  Millionen  Mark  aufgebracht  werden.  Im  ganzen
wären  also  behufs  Übernahme  der  Reichsbauk  135  Millionen  Mark
zu  beschaffen.  Der  augenblickliche  Kursstand  der  3  prozentigen  Reichsanleihe ­
  (25.  X.  1898)  ist  92,60  Mark,  sodaß  die  thatsächliche  Verzinsung ­
  sich  auf  etwa  3Vi  %  stellt.  Die  135  Millionen  Mark  würden
also,  wenn  sie  im  Wege  einer  Anleihe  aufgebracht  würden,  zu  ihrer
Verzinsung  einen  jährlichen  Aufwand  von  4387000  Mark  erfordern.
Angenommen,  daß  der  Reingewinn  der  Reichsbauk  ebenso  hoch  bliebe
wie  im  Durchschnitt  der  sieben  Jahre  1891—1897  (15,2  Millionen
Mark),  würde  das  Reich  aus  der  verstaatlichten  Reichsbank  einen
Reingewinn  von  10,8  Millionen  Mark  ziehen,  während  sein  Anteil  bei
den  gegenwärtigen  Bestimmungen  sich  auf  6  750  000  Mark  belaufen
würde.  Die  Verstaatlichung  der  Reichsbauk  würde  also  unter  diesen
Voraussetzungen  dem  Reich  eine  jährliche  Mehreinnahme  von  etwa
4  Millionen  Mark  verschaffen.
Die  Voraussetzung,  daß  in  Zukunft  der  Reingewinn  der  Reichsbank ­
  ebenso  hoch  bleiben  werde,  wie  in  den  sieben  Jahren  1891—1897,
ist  jedoch  eine  sehr  unsichere;  denn  diese  sieben  Jahre  weisen  ungewöhnlich ­
  günstige  Ergebnisse  auf.  Während  ihr  durchschnittlicher
Reingewinn  15,2  Millionen  Mark  betrug,  war  der  Reingewinn  in
den  15  Jahren  von  1876-1890  nur  lì  Millionen  Mark.  Außerdem ­
  spricht  noch  ein  besonderer  Grund  dafür,  daß  die  günstigen
Ergebnisse  der  letzten  Jahre  nicht  von  Dauer  sein  werden.  Mit  dem
wachsendeil  Kapitalreichtum  des  Laildes  wird  die  Konkurrenz,  welche
private  Depositen-  und  Diskoiltobanken  der  Reichsbauk  nlachen,  immer
schärfer  werden.  Zur  Zeit  wird  diese  Tendenz  durch  den  langaildanernden
  und  kräftigen  industriellen  Aufschwung,  welcher  alle
verfügbaren  Mittel  voll  und  gang  in  Anspruch  nimmt,  nicht  nur
ausgeglichen,  sondern  beträchtlich  überwogen,  aber  mit  der  Dauer
dieser  glänzeilden  Verhältnisse  kann  man  kaum  rechnen.  Das  Beispiel ­
  der  Bank  von  Frankreich  ist  in  dieser  Beziehilng  sehr  lehrreich.
Seit  dem  Jahre  1882  ist  der  Reingewinn  dieses  Instituts  von
02^2  Millionen  Frailes  auf  etwa  20  Millionen  Francs  zurückgegangen,
und  zwar  infolge  der  Verbilligung  des  Zillsfußes  uild  der  wachsenden
            
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