kratie‘“, diese bedeutet dann den Endzustand des marxistischen
Ideals, den Kommunimus.
Die freien Gewerkschaften Deutschlands haben auch das
Verdienst, diesen eigentlichen Sinn der „Wirtschaftsdemokratie‘“
enthüllt zu haben: In einer an Klarheit nichts zu
wünschen übrig lassenden Denkschrift (Wirtschaftsdemokratie,
ihr Wesen, Weg und Ziel. Herausgegeben im Auftrage
des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes von
Fritz Naphtali, 2. unveränderte Auflage, Berlin 1928. Siehe
dazu die ausgezeichnete Besprechung von Gerhardt
Albrecht, „Wirtschaftsdemokratie‘“ in Jahrbücher iür
Nationalökonomie und Statistik, 130. Band, Jena 1929,
S. 221 ff.) wird dargetan, daß die „Wirtschaftsdemokratie“
in ihrer.reinen Form mit dem sozialistischen Endziele zusammenfällt,
daß sie sozialistische Wirtschaftsordnung, d. h.
aber Kommunismus bedeute.
Aber das Schlagwort „Wirtschaftsdemokratie‘“ hat neben
diesem normativen Sinne — ein Endziel, über dessen Verwirklichungsmöglichkeiten
man ia Schließlich noch verschiedener
Meinung sein könnte — noch einen anderen,
sehr praktischen Gehalt: es bedeutet in der Praxis der
freien Gewerkschaften — und leider auch solcher Kreise,
die den marxistischen Boden ganz verlassen zu haben
glauben, sich jedoch geistig und faktisch durchaus in
marxistisch-klassenkämpferischen Bahnen bewegen — auch
den Weg zur Verwirklichung des Endzieles, der über die
Demokratisierung der Wirtschaft führt“.
Das bedeutet wohl einen Verzicht auf die streng folgerichtige
Uebertragung der demokratischen Grundsätze auf
die Wirtschaft, aber es bedeutet immerhin noch eine Annäherung
an diese Grundforderungen: Erstens den Anspruch
auf Mitführung — also zumindest eine angenäherte Gleichheit
und Willensbildung durch die Gesamtheit — und zweitens:
die Forderung nach Mitbestimmung der Gesamtheit
bei Zumessung des Ertrages, d. h. staatlichen Eingriff in
die Verteilung des Wirtschaftsertrages.
Mitbestimmung im Wirtschaftsprozesse und staatliche
Regelung der Ertragszuteilung sind der praktische
Inhalt der „Wirtschaitsdemokratie‘“.
deren Weg und Etappen Naphtali in dem angeführten
Werke deutlich schildert. Von der „Demokratisierung des
Betriebes“ über die „öffentliche Kontrolle der kapitalistischen
Organisationen“ bis zur „Wandlung des Figentumsrechtes‘
und zur „Aufhebung der Privilegien des Besitzes“
geht dieser Weg
Wie steht es nun mit. diesen beiden eingeschränkten,
unter dem Drucke der wirtschaftlichen Wirklichkeit zurechtgerückten
Forderungen der „Wirtschaftsdemokraten“?
Eine theoretisch zulängliche Antwort auf diese Frage kann
nur unter Besinnung auf die überhaupt möglichen Wirtschaftsgestalten
gegeben werden. (Vgl. dazu auch Othmar
Spann, Tote und lebendige Wissenschaft, 3. Auflage, Jena
1929.)
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