Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

gemäßen, ihrer natürlichen Organisationsform, zu einer
ständisch-körperschaftlichen Gestalt, 7
Nach der Zerstörung ‘dieser ständisch-zünftlerischen
Bindungen durch den liberalen Kapitalismus hat nach kurzer
 Uebergangszeit des freien Wettbewerbes die Wirtschaft
 aus sich selbst heraus neue Bindungen in Gestalt
der erwähnten Organisationen hervorgebracht: ;
Die Zukunft liegt nicht in der Durchführung
wirtschaftsdemokratischer Utopien,
sondern vielmehr im systematischen Ausbau dieser Orzawisationen
 und Bindungen.
Der italienische Faschismus ist den Weg der
berufsständischen Organisation der Volkswirtschaft bewußt
 gegangen und hat dabei zweifellos bemerkenswerte
Erfolge erzielt. Er hat den ursprünglich marxistischen
Ausgangspunkt des Syndikalismus in dem Augenblicke
innerlich verlassen und damit alle „wirtschaftsdemokratischen“
 Forderungen bekämpfen müssen, als er die
Organisationen der Unternehmer und Arbeiter zu öffentlich-Techtlichen
 Körperschaften erhob, sie mit Selbstverwaltungsrechten
 und -aufgaben ausrüstete und in den Staat
eingliederte. In diesem syndikalistisch-korporativen Staate
des Faschismus ist ein ernsthafter Versuch unternommen:
einen wahrhaft sozialen Staat aufzurichten — es scheint,
daß man zu diesem Zwecke den Sozialismus und nicht nur
die „wirtschaftliche Demokratie“ vernichten muß —, mit
dem Grundsatze des Klassenkampfes zu brechen und die
innere Tendenz des modernen Kapitalismus zur ständisch
Eenen, nationalen Wirtschaft systematisch durchzuühren,

Es sei zugegeben, daß der faschistische Versuch grundlegende
 Mängel aufweist: Die allzu straff zentralistische
Einordnung der Syndikate in den Staat und die staatliche
Bevormundung, die zu wenig entfaltete Selbstverwaltung
der Wirtschaft und ihrer Branchen, die getrennte Organisation
 der Unternehmer- und Arbeitersyndikate und dgl.
mehr, aber immerhin bedeutet allein die Herstellung des
Wirtschaftsfriedens, die Ausschaltung des Klassenkampfes,
der Streiks und Aussperrungen, einen gewaltigen Fort-Schritt
 in der Organisierung der Wirtschaft. (Vgl. dazu
Walter Heinrich, „Die Staats- und Wirtschaftsverfassung
des Faschismus, in „Nationalwirtschaft‘“ 1929, Heft 3—86.)
Aber nicht nur im faschistischen Italien hat sich dieses
Prinzip der Selbstverwaltung und berufsständisch-körperschaitlichen
 Organisation der
Wirtschaft
durchgesetzt, sondern es ist überall im Vormarsche, weil
es die natürliche, wesensgemäße Organisationsform der
Wirtschaft darstellt: Es vermeidet nämlich sowohl die
Mängel der: sozialistisch-kommunistischen, planwirtschaftlichen
 Utopie, die Wirtschaft und Staat zerstört, abgesehen
 von den ungeheuren Wohlstandsverlusten, die die
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