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eisuche noch kläglicher ausgefallen sind und ausfallen muss
ten, als die entsprechenden Bemühungen um eine Volkswirth-
schaftslehro der Griechen. Die Justinianische Sammlung von
Bruchstücken juristischer Schriftsteller sowie überhaupt die
Römischen Rechtsquellen enthalten allerdings einiges Material
zur Charakteristik der wirthschaftlichen Zustände; aber sie sind
fast völlig leer an dem, was man etwa wirthschaftliche Theorie
zu nennen belieben möchte. Die Stelle des Juristen Paulus,
in welcher derselbe in wenigen Zeilen sagt, dass der Kauf
durch Einführung des Geldes aus dem Tausch entstanden sei,
wird wahrlich nicht als besondere Errungenschaft gelten können,
da solche Ideen so nahe lagen, wie die entsprechenden Ver
hältnisse selbst. TJeberhaupt haben die Römer, abgesehen von
der Rechtstheorie, nie etwas Anderes gethan, als sich zum
Echo der meist noch nicht einmal gehörig verstandenen Aus
sprüche der Griechen gemacht.
Es versteht sich von selbst, dass, wenn man in den Urkun
den der übrigen Völker des Alterthums nur suchen will, auch
gewisse ganz gewöhnliche Gedanken nicht fehlen werden, welche
die Aussenseite der wirthschaftlichen Erscheinungen aufgefasst
haben. Sobald Geld im Gebrauch war, hatte man nothwendig
auch irgend eine Vorstellung’ von dessen Verrichtungen, und
ähnlich muss es sich mit jeder andern in die Augen springen
den Ihatsache verhalten haben. Eine blosse Beschreibung und
Kundgebung der sich unwillkürlich bildenden Vorstellungen
ist aber noch keine nennenswcrthe Einsicht, und über eine
solche Beschreibung waren ja nicht einmal die geistig regsamen
Griechen sonderlich hinausgekommen. Eine Untersuchung der
Gründe und Ursachen der wirthschaftlichen Vorgänge war da
her etwas geblieben, woran nicht einmal gedacht wurde, ehe
die neuste Zeit das selbständige Gebiet einer eigentlichen Natio
nalökonomie abgrenzte.
Das Mittelalter ist fast in allen wissenschaftlichen Bezie
hungen nur eine einzige grosse Wüste gewesen. Dennoch ist
es ebenfalls heimgesucht worden, und die Verkommenheit ein
zelner Behandlungsarten der Nationalökonomie hat auch hier
ihren Mangel an Unterscheidungsvermögen zur Geltung gebracht.
)ie mittelalterlichen Theologen haben sich gefallen lassen
müssen, unter die Reihe der Nationalökonomen einregistrirt zu
werden. Ein Thomas von Aquino spielt als Depositar volks-