An die Stelle der Propaganda für den Tag der gewaltsamen
Aenderung der kapitalistischen Gesell-Schaftsordnung
tritt der Plan ihrer langsamen
Durchsäuerung mit dem Sauerteig des Sozialismus.
So gewinnt das Programm der Wirtschaftsdemokratie Sinn
und (jestalt. Die Höhe, die man einst gewaltsam zu erspringen
huffte, will man jetzt langsam auf den Stufen der
Wirtschaftsdemokratie erklettern.
Damit wird aber auch die hemmungslose und primitiv ge-Schlossene
Propaganda von früher, die sich gleichermaßen
gegen den Beelzebub des Kapitalismus wie gegen den Teufel
des Klassenstaates richtete, unmöglich. Denn in vielen
Bastionen von Staat und Wirtschaft sitzt der Sozialismus
nunmehr selbst und hat seine geistigen Fähigkeiten
auf die Lösung der hier vorliegenden konkreten Aufgaben
in seinem Sinne zu richten. Die Propaganda wird also
im Tone mäßiger, in der Sache differenzierter und sucht angesichts
ihrer taktischerschwerten Lage nach
tieferen Anschlüssen in der Seele: des Menschen.
Der politische Kollektivismus sucht den ethischen
als Bundesgenossen.
Negativ kommt das darin zum Ausdruck, daß die privat-Mgentümliche
Wirtschaftsordnung nach wie vor als eine
Ausgeburt von Hemmungslosigkeit und Profitmacherei verschrieen
wird. Die ganze in der Natur aller technischen
und wirtschaftlichen Dinge liegende gegenseitige
Dienstvertlechtung wird verschleiert. Daher werden
auch die Schranken, die der Wirtschaftsführer sozialen und
sozialistischen. Forderungen und Wünschen entgegensetzen
muß, nicht als aus der Begrenzung der zur Verfügung stehenden
Genußmittel und aus dem Zwangsgebot der wirtschaftichen
Gesamtlage erklärt, sondern einseitig aus der seelischen
Verhärtung und sittlichen Verwahrlosung des Kapitalisten
und des Unternehmers, der grundsätzlich kein Herz für
seine Arbeiter und kein Verständnis für ihre Ansprüche an
das Leben hat. Wer die tagespolitische Presse des Sozialismus
verfolgt, der weiß, daß in Wort und Bild, in Poesie
und Prosa nichts unterlassen wird, um den Träger des
individualistischen Wirtschaftsgedankens
herabzusetzen und ihn der Unfähigkeit zu ieder sittlich
kollektivistischen Neigung zu bezichtigen. Auf diese
Weise rührt man das sittliche Empfinden der Massen gegen
dieses kapitalistisch entstellte Zerrbild eines Menschen auf.
Aber diese reine Negation reicht denn doch nicht aus.
An ihre Seite tritt die positive Forderung nach dem
neuen kollektivistischen Menschen in den eigenen Reihen.
Ein ganz anderer Mensch soll entstehen, der
Sozialistische Mensch,
der die Höhe seines Lebens nicht allein und nicht nur in
Versuchung seines ganz persönlichen Glückes anstrebt, sondern
seinen Aufstieg in solidarischem Schritt und Tritt mit
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